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Warbly Jets: Neuer Song, Album & Tour

Wer in letzter Zeit einen Mangel an guter Rockmusik in seinem Leben verspürt, sollte sich den Namen dieser neuen Band aus Los Angeles merken: Warbly Jets haben gerade mit Shapeshifter die vierte Vorab-Single aus ihrem kommenden Debütalbum veröffentlicht, und auch diese kann mit den ebenso rotzigen wie melodiösen Vorgängertracks 4th Coming Bomb, The Lowdown und Alive mühelos mithalten. Brooklyn Vegan verglich Warbly Jets bereits mit den frühen Primal Scream und Dandy Warhols. Mit ungetrübter Lässigkeit, Verspieltheit und Spot-On-Songwriting erfindet das Quartett zwar nicht gerade das Rad neu, aber Spaß macht das Ganze auf jeden Fall und ist eine willkommene Erfrischung in der zur Zeit sehr gitarrenarmen Musikszene.

Das Debütalbum Warbly Jets erscheint am 20. Oktober. Zuvor spielt die Band diesen Monat zwei Konzerte in Deutschland:

29.09.2017 – Berlin – Privatclub w/ Amazons
30.09.2017 – Dortmund – Way Back When Festival

Fotocredit: Moni Haworth

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ODD COUPLE werden “Flügge”

ODD COUPLE sind dem Berliner Nest entsprungen und werden noch bis zum 10.12. die Bühnen Europas bespielen. Das neue Album ist gerade über Cargo Records Germany erschienen. Haste?!

 


17.11.2016 – Schorndof, Manufaktur Schorndorf
18.11.2016 – Karlsruhe, Alte Hackerei
19.11.2016 – Freiburg, Slow Club
20.11.2016 – Bielefeld, Nummer Zu Platz
21.11.2016 – Saarbrücken, Synop
22.11.2016 – Mainz, Schon Schön
23.11.2016 – Nürnberg, MUZclub
24.11.2016 – CH – Fribourg, Fri-Son
27.11.2016 – CH – Luzern, Konzerthaus Schüür
28.11.2016 – Würzburg, Cairo
29.11.2016 – Köln, Popanz

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Live: Straend Festival 2016, Berlin (DE)

Ich bin furchtbar blass, mein liebstes Wetter ist Regen und Temperaturen über 25° C lehne ich kategorisch ab. Klar, dass ich vom Surfen nicht den leisesten Hauch einer Ahnung habe, außer vielleicht, dass da meist ziemlich heiße Typen auf den Brettern stehen.

Das alles war aber kein Grund nicht zum wundervollen Straend Festival am 20.08.2016, welches zum zweiten mal in Folge stattfand, zu gehen. Auch wenn zunächst mit den Worten Surf, Musik, Film und Kunst von den Plakaten gelockt wurde, ging es hier doch um so viel mehr. Wobei Arena und Badeschiff mit Sand zwischen den Zehen, Liegestühlen und der Spree direkt vor der Tür zum entspannen einluden und die Veranstalter Loft Concerts, Novaque Events und Arena Berlin all das wie scheinbar nebenbei einfließen ließen, was ihnen verbunden mit der Thematik Surf am Herzen liegt. Dazu gehören an erster Stelle der Umgang mit Müll und unser Auftreten als Mensch in einer Welt, die wir als selbstverständliches Eigentum behandeln. Dieser Artikel soll jetzt aber kein Appell an dein Gewissen werden dich bewusster in deiner Umgebung zu bewegen, jedoch vielleicht den einen oder anderen Gedanken darauf zu verwenden. Und genau das hat auch das Straend Festival geschickt geschafft: sei es mit Mülltrennung auf dem Gelände, Essen auf Bambusblättern oder der Kunst von Angelo Schmitt, dessen Sammlung an Abfall von Stränden wieder einmal zeigt, wie gedankenlos wir unseren Müll entsorgen und dass wir in Plastik ertrinken ohne es überhaupt zu bemerken. Eingebettet in einer entspannten, kommerzfreien Atmosphäre mit Filmen von u.a. Surflegende Tom Curren und Musik von Sticky Fingers, Hein Cooper, The Graveltones etc. wurde dieser Tag zu einer absolut zwanglosen Entdeckungsreise. Maßlosen Konsum und die alleinige Ausrichtung auf Profit kennen wir schon von so vielen anderen Festivals, endlich mal was anderes, wo nicht die Einnahmen Kompass der Veranstaltung sind und eine Linie zwischen Unterhaltung und aktuellen Problemen gezogen werden kann.

Definitiv nächstes Jahr wieder dabei!

Live: MS Dockville 2016, Hamburg (DE)

Zum zehnten Jubiläum legte das MS Dockville sich ganz besonders ins Zeug: ein Line-Up, das in der Spitze wie in der Breite zu überzeugen wusste, ein wie immer atemberaubend schönes Gelände und die entspannte, ausgelassene Stimmung machten 2016 zu einem der besten Dockville-Jahre in letzter Zeit.

Die Acts: Von den zehn Ausgaben seit 2007 war ich bei ganzen sieben; zuletzt war es aber immer wieder das mangelhafte Line-Up bei stetig steigendem Ticketpreis, das mich von einem Besuch absehen ließ. Dieses Jahr war das Dockville ein Festival der positiven Überraschungen: Gab das Line-Up bei einem vorherigen Hördurchgang nicht viel her außer bereits bekannten Favoriten wie Foals, Bilderbuch (die ich aufgrund des Timetables nicht sehen konnte) oder Unknown Mortal Orchestra, erwiesen sich die großen Lücken in meinem Zeitplan letztlich als Segen: Acts wie Faber, Isolation Berlin oder Die Nerven gaben einen hervorragenden “Zeitvertreib” ab. Dadurch verzieh ich auch das Booking gruseliger Formatradio-Verbrechen wie Matt Corby, Frances oder der furchtbar unlustigen Klaas-Heufer-Umlauf-Band Gloria.

geländeDie Besucher: Das Dockville-Publikum ist durchschittlich etwa 20 Jahre alt, trägt genderunabhängig Blumen im Haar und Glitzer im Gesicht, sowie in 80% der Fälle einen Turnbeutel mit witzigem Spruch der Wahl auf dem Rücken. Außerdem ist es äußerst ingenieurstechnisch begabt, wenn es darum geht, ein einzigartiges Erkennungs-Maskottchen zu erschaffen, das an einem hohen Stab über der Crowd geschwenkt wird, um die eigene Freundesgruppe zusammenzuführen (Highlight: ein seifenblasenspuckender Affenkopf mit LED-Augen). Als Wahlberlinerin fiel mir zudem auf, dass alle Hinweisschilder etc. am Gelände auf Deutsch gehalten sind: Das Dockville ist trotz weiterhin steigender Bekanntheit anscheinend immer noch ein lokales Ereignis.

Die Politik: Die Hamburger AFD legte jüngst Beschwerde bei der Kulturbehörde ein, wieso man ein Festival finanziell unterstütze, bei dem angeblich linksradikale Bands wie Slime oder Feine Sahne Fischfilet auftreten würden. Als Reaktion wurde ein riesiges “Fuck AFD”-Plakat am Gelände aufgehängt. Junge Teenager, die aussahen wie die Unschuld in Person, trugen “Niemand muss Bulle sein”-Beutel oder schwenkten Antifa-Flaggen bei den Auftritten von bekennenden linken Acts wie Sookee oder eben Feine Sahne. Auch weniger explizit politische Bands machten den Mund auf; etwa Faber in seinem Besorgte-Bürger-Song Wer nicht schwimmen kann, der taucht oder Isolation Berlin, die eine Textzeile zu “Er schnauzt mich von der Seite an, ob ich nicht stolz sei auf dieses Land” änderten. Ausschreitungen, Aggressionen und sonstiges Arschlochverhalten waren meiner Erfahrung nach vollkommen abwesend vom Festival.

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Neues Album: Bosco Rogers

Passend zum lang ersehnten Sommereinbruch ist es endlich da: das noch länger ersehnte erste Album Post Exotic des anglofranzösischen Duos Bosco Rogers. Und – quelle surprise – es ist natürlich eins der Debütalben des Jahres.

Schon auf den beiden EPs Googoo (2014) und French Kiss (2015) schafften es die beiden Bandmitglieder Barthélémy ‘Barth’ Corbelet und Delphinius ‘Del’ Vargas (ja, die heißen wirklich so), zwischen verträumter 60er-Psychedelia, Garage-Geknarze und süchtigmachenden Popmelodien etwas gleichermaßen Altbekanntes und doch zu keiner Sekunde Langweiliges zu kreieren. Von den insgesamt acht bärenstarken Songs der beiden EPs hat man die schnoddrigen Googoo und In Stereo, das melodieverliebte French Kiss, mit dem die Band mich damals augenblicklich überzeugte, den 700k-Spotify-Plays-Hit The Middle mit seinem markanten Gepfeife und den 1:40-Minuten-Reißer Buttercup mit aufs Album rübergenommen. Außerdem mit am Start ist die aktuelle Single True Romance, ein zukünftiger Nr. 1-Hit aus der Retorte, den man mit seinem tausendmal so oder so ähnlich gehörten Refrain (We wanna love / We wanna dance …) wohl entweder lieben oder hassen muss. Viel mehr sagt mir dagegen Drinking For Two mit seinen Beach-Boys-Reminiszenzen zu. Insgesamt bleibt die Qualität das Album über durchgehend hoch; Bosco Rogers variieren ihren Sound genug, um abwechslungsreich zu bleiben, ohne dabei ihren Wiedererkennungswert zu verlieren. Was ihnen außerdem geling, ist eine kohärente Stimmung zu schaffen, wie ein heißer Sommertag, den man halb dösend in einem verdunkelten Zimmer verbringt. Aber nicht ohne zwischendurch zum Feiern rauszugehen.

Record Roulette (1): Flamingods – Majesty

Willkommen zu einer neuen Kategorie, die ich schon lange einführen wollte: Record Roulette! Wie beim Russischen Roulette weiß man nicht, was einen erwartet, denn beim Record Roulette werden Platten gehört, über die wir nichts oder fast nichts wissen. Ein Flohmarktfund, ein unerwartetes Geschenk, eine Entdeckung in der elterlichen Plattensammlung – wie in Forrest Gumps berühmter Schachtel Pralinen wissen wir nicht, was wir kriegen. Ohne mehr Infos, als die Platte selbst hergibt, legen wir sie auf und schreiben darüber, was wir hören.

Anlass zur Eröffnung dieser lang geplanten Kategorie war ein Geburtstagsgeschenk, überreicht mit den Worten “Ich habe nach Cover gekauft”. Ehrlich, gibt es eine schönere Art, Musik zu entdecken, als sich das künstlerisch ansprechendste Album-Artwork auszusuchen? Ich glaube nicht! Besagtes Albumcover ziert die Platte Majesty von Flamingods, einer Gruppe, von der ich bis dato noch nie gehört hatte. Laut eines Stickers mit Vice-Zitat macht diese “psychedelic music for the soul”. Dekoriert ist die Platte mit einer Collage aus verfremdeten Fotos und Zeichnungen: ein bunter Wald aus Blüten, Ranken und Bäumen schlängelt sich um eine Art Pavillon, in der zwei junge Menschen in bunten Trachten mit auffälligen Kopfbedeckungen sitzen bzw. stehen. In einem ovalen Rahmen zu ihrer Linken ist ein Gebäude mit spitz zulaufendem Dach zu sehen. Die untere Häfte des Bildes ziert ein großer weißer “flamingods”-Schriftzug, darüber klein der Albumtitel ‘Majesty’. Erschienen ist das Album 2016, wie die Rückseite verrät, die im selben Stil wie das Frontcover gestaltet ist und in der Mitte zwei weiße Türen mit großen Fenstern zeigt, hinter denen unten und oben Kerzen in der Dunkelheit brennen.

Die Songtitel wirken homogen, Jungle Birds und Majestic Fruit passen zum Pflanzenwald des Artworks, Gojira, Rhama und Sarangi klingen indisch und sind ebenfalls mit der Optik stimmig. Zieht man den Pappschuber mit der Platte heraus, erfährt man auch die Namen der Beteiligten, inklusive Fotos der Bandmitglieder: Kamal Rasool, Charles Prest, Sam Rowe, Karthik Poduval und Craig Doporto sind ebenso ethnisch vielfältig wie die Namen suggerieren. Produziert wurde das Album übrigens in London, was ein Hinweis auf den Wohnort der Gruppe sein dürfte (aber nicht sein muss). Außerdem findet sich ein längeres Zitat, das ich des Umfangs wegen nicht abtippen werde, von einem Evan Crankshaw, das in sehr poetischen Worten dazu auffordert, das ‘Exotische’ nicht durch Reisen in ferne Länder zu suchen, sondern stattdessen “mit den Ohren von anderen zu hören” und so seinen Verstand zu erweitern. Sehr psychedelisch eben – und noch immer konsistent mit dem Thema des Artworks. So etwas mag ich ja. Ich bin also extrem gespannt, was es nun zu hören gibt.

Die Musik setzt irgendwie plötzlich ein, aber das kann auch meinem Plattenspieler zuzuschreiben sein. Eine raue, aber nicht tiefe Leadstimme, begleitet von einer höheren Backgroundstimme, die kurz darauf den Leadvocal übernimmt, singt zu prickelnder, fließender Psychedelia, die tatsächlich etwas im weitesten Sinne “nicht-westliches” an sich hat – das wird spätestens dann hörbar als hoch jaulende Streicher einsetzen, aber auch das leichtfüßig-melancholische passt irgendwie zu dem Ambiente, welches das Cover vorgegeben hat.

Der erste Track Majesty ist schnell vorbei, der nächste, Jungle Birds ist schnell, überlaufend vor Eindrücken, der Gesang ist ruhig, während sich im Hintergrund die Musik überschlägt – es gelingt der Band hier wirklich, u.a. durch den Einsatz von Flöten, einen Eindruck von Dschungel heraufzubeschwören. Die Musik ist wild, unübersichtlich und anziehend.

Und auch dieser Titel ist im Handumdrehen wieder vorbei, und Taboo Groves setzt ein. Er ähnelt dem Vorgänger – es gibt Gesang, doch es dominieren eher die Instrumentalpassagen. Hier passiert immer noch viel, doch es wirkt nicht mehr so chaotisch, vielleicht haben sich meine Ohren auch daran gewöhnt. Die Stimme wird immer von einem oder mehreren Backgroundsängern begleitet; überragend ist der Gesang nicht, die Stimme hat zwar etwas ungewöhnliches, leicht quäkiges, aber sie steht klar im Hintergrund im Vergleich zur restlichen Musik. Der Offbeat wird effektiv eingesetzt, um gemeinsam mit ausladenden Akustikgitarrensoli eine mühe- und schwerelose Atmosphäre zu evozieren.

Auch dieser Track ist kurz, es folgt Majestic Fruit, mit einem sanften, an plätschernde Wasserfälle erinnerndem Intro voll eingestreuter Effekte, die einem immer noch das Gefühl geben, durch einen üppigen Dschungel zu stromern. Auch hier werden unübliche Instrumente eingesetzt, um das in dem Zitat auf der Rückseite angesprochene “Exotische” heraufzubeschwören. Wie “exotisch” das für die Bandmitglieder mit ihrem jeweiligen kulturellen Hintergrund nun wiederum ist, wäre eine andere interessante Frage. Die Musik schwillt langsam an, es wird darübergemurmelt, doch nicht richtig gesungen, die Stimme wird zum Instrument, anstatt sich hervorzutun. Weiterhin sind Flöten, Rasseln, Trommeln zu hören, und als würde ein Feuer erlischen, ist auch dieser Song urplötzlich zu Ende.

Mit Anya kommt nun der letzte Song der ersten Seite. Auch dieser setzt ruhig ein, im Hintergrund hört man Stimmen, die von einer Aufnahme zu kommen scheinen und offenbar nicht Englisch sprechen, doch es ist schwer zu sagen. Dann kommen Gesänge, die an Naturvölker denken lassen, bevor der übliche englischsprachige Gesang einsetzt. Auch dieser Track gleich sich musikalisch den Vorgängern an, er ist aber sehr gediegen, episch, mehr Struktur und weniger Chaos. Die Percussions lassen mich an den Genre-Begriff “tropical” denken. Das leichtfüßige Plätschern des Beats steht im Gegensatz zu der dominanten gedehnten und schwermütigen Streichermelodie. Immer mehr Layer legen sich übereinander, zwei Melodien spielen nun gegeneinander an. Nun erinnert das Ganze an das Unwort “Weltmusik”, was ich nicht wertend in Bezug auf die Musik meine, das Wort habe ich nur mangels eines besseren Einfalls eingeworfen; es sind jedenfalls kaum mehr westliche Einflüsse zu hören. Die Musik schrumpft zusammen, die Sprachaufnahmen übertrumpfen sie und verschwinden schließlich im Rauschen; die erste Seite ist vorbei.

Seite Zwei beginnt wild, fröhlich; wieder regiert das Chaos. Unter der dominanten Melodie werden parallel noch mehrere andere gespielt. Dann bricht das Ganze weg, um den Beat in den Vordergrund zu stellen, doch kurz darauf geht es wie gehabt weiter. Gojira scheint ein Instrumental zu sein, bei dem die Gitarren zum Jaulen gebracht werden. Dieser Track ist wohl der bisher psychedelischste, mit jeder Menge altbekannter Effektpedale, und sehr starken Drums, denen manchmal fast alleine die Bühne überlassen wird. Sie schwellen rauschhaft an, irgendwann hört man Rufe, die Gitarren setzen wieder ein, das Ganze wirkt jetzt eher wie eine Jagd durch den Dschungel auf LSD. Immer wieder ertönen Soundeffekte, die an den Schrei eines Vogels o.ä. denken lassen – die dichte Atmosphäre bleibt. Dann tröpfelt der Song aus – auch dieser kürzer als im Genre üblich.

Rhama folgt als nächstes. Die Gitarren brummen tief, lassen sich Zeit, hier wird man nicht mit Reizen überflutet. Auch der Gesang ist zurück, lässt sich in die Musik fallen. Bisher ist diese Seite deutlich klassischer psychedelisch als die andere, auch der getragen-eintönige Gesang, den man so schon oft bei Genrekollegen gehört hat. Bei der nächsten Instrumentalpassage werden die Klänge wieder höher und schriller, weg vom Altbekannten und wieder näher am Stilmix der ersten Seite. Diese Passage zieht sich hin, ich freue mich, als der Gesang wieder einsetzt. Er ist so verfremdet, dass er auf einer Ebene mit der Musik liegt und sich nicht in den Vordergrund spielt. Der Song scheint mir bisher der längste, doch auch er findet sein Outro, das wieder sehr dschungelhaft und verspielt klingt.

Sarangi setzt mit Trommeln ein, klingt wirklich am deutlichsten indisch von allen Tracks bisher – der englische Gesang wirkt fast deplatziert. Ohne ihn könnte man hier auch traditioneller Musik lauschen, so erscheint es mir als Laien auf diesem speziellen Gebiet. Nach einer Weile wird der Gesang sehr langsam, während im Hintergrund noch immer atemberaubend schnell getrommelt wird und allerlei Melodien durcheinander wirbeln. Hier wird eine gekonnte Hochzeit des psychedelischen Parts mit der traditionelleren indischen Musik gefeiert.

Eine Pause – ist dies möglicherweise der nächste, und letzte Track, Mountain Man? Ich vermute es, denn der musikalische Bruch ist deutlich zu hören. Dieser Song treibt nach vorne, erinnert mich auf einmal an traditionelle irische Musik – was auch ein legitimer Einfluss wäre, natürlich. Wieder verschwindet der Gesang beinahe im vielfältigen Gewirr der Musik, aber eine dominante Melodie ist klar zu erkennen. Den Dschungel höre ich jetzt nicht mehr, dafür grüne Felder und fließende Bäche, aber das mögen meine eigenen Assoziationen sein. Wobei Mountain Man, der Titel, den geografischen Wechsel schon andeutet, und die irischen Klänge bilde ich mir gewiss nicht ein – die Musik wird immer schneller und vermischt sich mit Rufen, wie man sie oft bei Volkstänzen hört. Ein überraschender Ausklang der Platte, der zum ersten Mal mit dem vorherrschenden Thema bricht. Der Gesang hört ebenfalls auf und überlässt uns ganz dem imaginären Volksfest. Nun hat auch dieser Track seine Längen, doch kaum ist das niedergetippt, verlangsamt er sich und bereitet sich auf das Ende vor, das in Form einen letzten langgezogenen Tons kommt.

Fazit? Erst einmal ist das eine unglaublich intensive Art Musik zu hören und auch zu rezensieren, die ich sicher nicht zum letzten Mal gemacht habe. Vor allem, da ich gerade nach neuer Inspiration lechze. Die Platte von Flamingods bietet auf jeden Fall interessante Genrebrüche, und ihre tiefe Verbundenheit zu östlichen Klängen wurzelt offensichtlich auch in der Herkunft der Bandmitglieder, es ist also kein musikalischer “Tourismus”. Eine Platte zum Nebenbeihören ist es nicht, dafür ist sie zu anstrengend; sie fordert Aufmerksamkeit. Vielleicht etwas zu chaotisch für meinen eigenen Geschmack, aber gleichzeitig bewundere ich ihre Fähigkeit, Konzentration herauszufordern, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und sich nicht mit Hintergrundgeplätscher zufriedenzugeben. Die größte Stärke ist aber auf jeden Fall das gekonnte Heraufbeschwören von Szenerien, Orten und Situationen, die beim Hören im Kopf entstehen, als würde man sie selbst erleben. Das geschieht gerade durch das Zurücknehmen von Vocals zugunsten von vielfältigen, oft gegeneinanderlaufenden Instrumenten und Melodien, den Einsatz von Soundeffekten und Verfremdungstechniken. Diese Platte sprudelt vor Leben und scheint sich in ihrer Kreativität keine Grenzen zu setzen. In meinen Augen ein gelungener, aber auch herausfordernder Ausritt aus dem Psychdelic-Genre.

Konzerttip: Mellochfest II @ Bassy, Berlin (DE), 15.06.2016

Im Juni 2006 feierte das Label 8MM Musik seine erste Veröffentlichung, die White Vinyl 7″ Battery/Butcher’s Arms von Powers, mit einer Show von Singapore Sling und Powers in der damaligen Pfefferbank, kurz darauf bekannt als Bassy. Am 15. Juni wird dieses Jubiläum beim 2. Mellochfest begangen: Live spielen The Memories (Burger Records), das Projekt der White Fang-Bandkollegen Rikky Gage und Kyle Handley. Außerdem feiern The Third Sound die Record Release Show ihrer 3. LP Gospels of Degeneration, das Berliner Experimental-Garage-Duo DYN stellt bei seinem ersten Konzert im Jahr 2016 das neuste Studiomaterial vor und obendrauf gibt es eine Soundperformance von Franz Bargmann, dem ehemaligen Leadgitarristen und Originalmitglied der international bekannten Berliner Krautrockband Camera.

Einlass ist um 20 Uhr, der Eintritt beträgt 10 €.

Mehr Infos auf Facebook.

 

Neues Album & Tour: DIIV

Vier Jahre lang war es ruhig um Zachary Cole Smith und DIIV, die Nachfolgeband von Beach Fossils. Ob er einfach nur mit Freundin Sky Ferreira ein Haus bauen wollte oder ob es an seinem Drogenentzug lag, wollen wir jetzt nicht weiter erörtern, schließlich ist das hier ja ein Musikblog. In Vorfreude auf die im März kommende Tour haben Edgar Storch und Belle Brummell ohne jeglichen Weinkonsum das neue Album “Is The Is Are” ausführlich diskutiert.

Edgar Storch: Wie soll man diese Musikrichtung am besten bezeichnen? “Dreamy Indie Rock” finde ich ganz gut, dreamy ist es auf jeden Fall, auch wenn du dir die Musikvideos anguckst: auf 8mm-Film geshooted, Mädchen mit langen Haaren in American Apparel Hotpants … dieses Feeling, das schwimmt auf so einer Emotionswelle, die nicht direkt traurig ist, aber auch nicht gut gelaunt, eher so ein bisschen desinteressiert.

Belle Brummell: Es hat mich ehrlich gesagt überrascht, dass DIIV in New York wohnen, weil ihre Musik eindeutig diesen Surf-Einfluss hat, dieses kalifornische, und dann auch noch der Name, “Dive”, wie auch schon Beach Fossils. Diese Welle ist einfach nach New York übergeschwappt, wortwörtlich. Als es damals losging, mit DIIV und anderen Bands wie Swim Deep, dieser ganze Lo-Fi-Surf-Wave-Kram, hat mich das nicht besonders interessiert, aber jetzt mit dem zweiten Album kam man ja nicht mehr daran vorbei.

Edgar:  Ich habe das erste Album auch nicht so wirklich gehört, dabei mochte ich schon Beach Fossils gerne. Aber dieses 17 Song starke zweite Album hat mich total überzeugt. Es hat die ganze Zeit etwas monotones, es wiederholt sich und baut eine Stimmung auf, die um dich herum wabert, sodass du dich darin verlieren kannst wie in einer analogen Traumwelt.

Belle: Ich stelle mir das live sehr geil vor, weil die Lieder dieses repetitive Element haben und auch nicht sehr vocal-lastig sind, obwohl Vocals da sind, aber die Hook wird immer von der Gitarre gespielt. Dadurch funktioniert die Musik auch, ohne dass man konkret auf die Lyrics achtet.

Edgar: Das stimmt, die Stimme setzt sich gar nicht ab von den Instrumenten, sie wird selber zu einem Instrument und fügt sich da komplett mit ein. Es ist fast schon Instrumentalmusik.

Belle: Für mich hat Dopamine von Anfang an sehr rausgestochen, weil es als einziges Lied sehr prominente Vocals hat. Die anderen Stücke ähneln sich für mich sehr, sie sind eher instrumental, zumindest die Haupthook. Und Dopamine hat diesen sehr repetitiven Gesang. Eins von diesen fiesen Liedern, die nie zu einem Punkt kommen, sondern sich in einem ewigen Zirkel bewegen.

Edgar: Für mich funktioniert es als Gesamtkonzept, ich könnte keinen Titel herausheben, eher als wäre alles ein großer Song. Es erinnert mich an eine Art modernen Indie-Krautrock, da hat man auch 20-minütige Tracks. Da geht es nicht um einzelne Titel. Solche Musik verstehst du erst wirklich, wenn du sie fünf mal gehört hast. Und wenn du ihr irgendwo außerhalb von diesem bewussten Hören begegnest, ist es wie ein Deja vu, das du nicht richtig zuordnen kannst, aber irgendwie hat es etwas in dir ausgelöst. Dadurch kann ich gar nicht sofort sagen “Das ist jetzt DIIV”, wenn ich einen einzelnen Song herausgerissen aus dem Ganzen höre.
Außerdem hast du bei diesem Album die ganze Zeit eine Spannung, die durchgängig erhalten bleibt und dich zum Weiterhören zwingt. Ich habe das Album morgens auf dem Weg zur Schule gehört und mich von meiner Umwelt total abgeschottet gefühlt. Ich wäre fast mit dem Ring einmal komplett rumgefahren. Es hat mich voll reingezogen.

 

DIIV kommen im März/April für vier Konzerte nach Deutschland:

30.03.16 – Köln, Gebäude 9
31.03.16 – Berlin, Lido
10.04.16 – Hamburg, Uebel & Gefährlich

01.04.16 – München, Orangehouse

 

Neue UK-Sounds: Our Girl & Morning Smoke

Das Brightoner Indie-Label Cannibal Hymns macht diesen Monat gleich doppelt von sich reden: Mit Sleeper von Our Girl und Soft Decay von Morning Smoke erscheinen am 18. Januar zwei Singles, bei denen Freunde der düster-verzerrten Gitarren aufhorchen werden.

Das Trio Our Girl um die vielbeschäftigte Frontfrau Soph Nathan hat sich erst 2014 gegründet und legt jetzt seine Debütsingle vor, die im Stil von Bands wie Wolf Alice zwischen hart und zart changiert. Grungige Gitarren und Nathans einschmeichelnde Stimme erzeugen einen entrückten und eingängigen Mix.

Bei Morning Smoke darf es dann ruhig noch eine Spur dreckiger werden: Der so genannte Noise Pop des Quartetts ist eindeutig mehr Noise als Pop. Wer auf Bands wie Drenge steht, dürfte sich hier wiederfinden. Klagende Vocals über dröhnenden Gitarren und peitschenden Drums – Teenage Angst in ihrer schönsten Form.

Tour & Verlosung: Bled White

Erst Romy, Audrey und jetzt Greta – man könnte fast behaupten, BLED WHITE verfolge ein Muster bei der Benennung seiner Platten. Nicht nur mit der Wahl der Namenspatinnen schwelgt er in der Vergangenheit; von Nostalgie geprägt ist auch die Musik selbst, die der in Berlin lebende Solokünstler in DIY-Manier mit analogen Instrumenten einspielt. Mehr als nur ein Hauch 80er-Wave, sowie ordentlich Melancholie und Herzblut befeuern die vier Tracks seiner am 22. Januar erscheinenden neuen EP Greta. Mögen die Melodien auch reiner Pop sein, die Arrangements sind dennoch versponnen und spannend genug, auch Fans von Abwegigem zu gefallen.

 

 

Wer sich auch live in die Soundwelten von Bled White entführen lassen möchte, sollte sich seine Deutschlandkonzerte im Januar und Februar vormerken. Für einen Termin eurer Wahl verlosen wir 1×2 Gästelistenplätze! Schreibt bis spätestens 20. Januar eine Mail an indiependance(at)hotmail(dot)com mit eurem vollen Namen und eurer Wunschstadt und ihr landet im Lostopf!

Hier die vollen Daten:

22.01.2016 Berlin – Privatclub
23.01.2016 Hamburg – Astra Stube
24.01.2016 Bremen – Café Erlesenes (Acoustic Show)
27.01.2016 Köln – MTC
28.01.2016 Karlsruhe – Fettschmelze
29.01.2016 Augsburg – Hallo Werner
31.01.2016 Regensburg – Heimat
02.02.2016 Mainz – Schon Schön
04.02.2016 Heidelberg – Karlstorbahnhof

Wir wünschen allen Teilnehmenden viel Glück!