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Warbly Jets: Neuer Song, Album & Tour

Wer in letzter Zeit einen Mangel an guter Rockmusik in seinem Leben verspürt, sollte sich den Namen dieser neuen Band aus Los Angeles merken: Warbly Jets haben gerade mit Shapeshifter die vierte Vorab-Single aus ihrem kommenden Debütalbum veröffentlicht, und auch diese kann mit den ebenso rotzigen wie melodiösen Vorgängertracks 4th Coming Bomb, The Lowdown und Alive mühelos mithalten. Brooklyn Vegan verglich Warbly Jets bereits mit den frühen Primal Scream und Dandy Warhols. Mit ungetrübter Lässigkeit, Verspieltheit und Spot-On-Songwriting erfindet das Quartett zwar nicht gerade das Rad neu, aber Spaß macht das Ganze auf jeden Fall und ist eine willkommene Erfrischung in der zur Zeit sehr gitarrenarmen Musikszene.

Das Debütalbum Warbly Jets erscheint am 20. Oktober. Zuvor spielt die Band diesen Monat zwei Konzerte in Deutschland:

29.09.2017 – Berlin – Privatclub w/ Amazons
30.09.2017 – Dortmund – Way Back When Festival

Fotocredit: Moni Haworth

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ODD COUPLE werden “Flügge”

ODD COUPLE sind dem Berliner Nest entsprungen und werden noch bis zum 10.12. die Bühnen Europas bespielen. Das neue Album ist gerade über Cargo Records Germany erschienen. Haste?!

 


17.11.2016 – Schorndof, Manufaktur Schorndorf
18.11.2016 – Karlsruhe, Alte Hackerei
19.11.2016 – Freiburg, Slow Club
20.11.2016 – Bielefeld, Nummer Zu Platz
21.11.2016 – Saarbrücken, Synop
22.11.2016 – Mainz, Schon Schön
23.11.2016 – Nürnberg, MUZclub
24.11.2016 – CH – Fribourg, Fri-Son
27.11.2016 – CH – Luzern, Konzerthaus Schüür
28.11.2016 – Würzburg, Cairo
29.11.2016 – Köln, Popanz

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Neues Album: Bosco Rogers

Passend zum lang ersehnten Sommereinbruch ist es endlich da: das noch länger ersehnte erste Album Post Exotic des anglofranzösischen Duos Bosco Rogers. Und – quelle surprise – es ist natürlich eins der Debütalben des Jahres.

Schon auf den beiden EPs Googoo (2014) und French Kiss (2015) schafften es die beiden Bandmitglieder Barthélémy ‘Barth’ Corbelet und Delphinius ‘Del’ Vargas (ja, die heißen wirklich so), zwischen verträumter 60er-Psychedelia, Garage-Geknarze und süchtigmachenden Popmelodien etwas gleichermaßen Altbekanntes und doch zu keiner Sekunde Langweiliges zu kreieren. Von den insgesamt acht bärenstarken Songs der beiden EPs hat man die schnoddrigen Googoo und In Stereo, das melodieverliebte French Kiss, mit dem die Band mich damals augenblicklich überzeugte, den 700k-Spotify-Plays-Hit The Middle mit seinem markanten Gepfeife und den 1:40-Minuten-Reißer Buttercup mit aufs Album rübergenommen. Außerdem mit am Start ist die aktuelle Single True Romance, ein zukünftiger Nr. 1-Hit aus der Retorte, den man mit seinem tausendmal so oder so ähnlich gehörten Refrain (We wanna love / We wanna dance …) wohl entweder lieben oder hassen muss. Viel mehr sagt mir dagegen Drinking For Two mit seinen Beach-Boys-Reminiszenzen zu. Insgesamt bleibt die Qualität das Album über durchgehend hoch; Bosco Rogers variieren ihren Sound genug, um abwechslungsreich zu bleiben, ohne dabei ihren Wiedererkennungswert zu verlieren. Was ihnen außerdem geling, ist eine kohärente Stimmung zu schaffen, wie ein heißer Sommertag, den man halb dösend in einem verdunkelten Zimmer verbringt. Aber nicht ohne zwischendurch zum Feiern rauszugehen.

Record Roulette (1): Flamingods – Majesty

Willkommen zu einer neuen Kategorie, die ich schon lange einführen wollte: Record Roulette! Wie beim Russischen Roulette weiß man nicht, was einen erwartet, denn beim Record Roulette werden Platten gehört, über die wir nichts oder fast nichts wissen. Ein Flohmarktfund, ein unerwartetes Geschenk, eine Entdeckung in der elterlichen Plattensammlung – wie in Forrest Gumps berühmter Schachtel Pralinen wissen wir nicht, was wir kriegen. Ohne mehr Infos, als die Platte selbst hergibt, legen wir sie auf und schreiben darüber, was wir hören.

Anlass zur Eröffnung dieser lang geplanten Kategorie war ein Geburtstagsgeschenk, überreicht mit den Worten “Ich habe nach Cover gekauft”. Ehrlich, gibt es eine schönere Art, Musik zu entdecken, als sich das künstlerisch ansprechendste Album-Artwork auszusuchen? Ich glaube nicht! Besagtes Albumcover ziert die Platte Majesty von Flamingods, einer Gruppe, von der ich bis dato noch nie gehört hatte. Laut eines Stickers mit Vice-Zitat macht diese “psychedelic music for the soul”. Dekoriert ist die Platte mit einer Collage aus verfremdeten Fotos und Zeichnungen: ein bunter Wald aus Blüten, Ranken und Bäumen schlängelt sich um eine Art Pavillon, in der zwei junge Menschen in bunten Trachten mit auffälligen Kopfbedeckungen sitzen bzw. stehen. In einem ovalen Rahmen zu ihrer Linken ist ein Gebäude mit spitz zulaufendem Dach zu sehen. Die untere Häfte des Bildes ziert ein großer weißer “flamingods”-Schriftzug, darüber klein der Albumtitel ‘Majesty’. Erschienen ist das Album 2016, wie die Rückseite verrät, die im selben Stil wie das Frontcover gestaltet ist und in der Mitte zwei weiße Türen mit großen Fenstern zeigt, hinter denen unten und oben Kerzen in der Dunkelheit brennen.

Die Songtitel wirken homogen, Jungle Birds und Majestic Fruit passen zum Pflanzenwald des Artworks, Gojira, Rhama und Sarangi klingen indisch und sind ebenfalls mit der Optik stimmig. Zieht man den Pappschuber mit der Platte heraus, erfährt man auch die Namen der Beteiligten, inklusive Fotos der Bandmitglieder: Kamal Rasool, Charles Prest, Sam Rowe, Karthik Poduval und Craig Doporto sind ebenso ethnisch vielfältig wie die Namen suggerieren. Produziert wurde das Album übrigens in London, was ein Hinweis auf den Wohnort der Gruppe sein dürfte (aber nicht sein muss). Außerdem findet sich ein längeres Zitat, das ich des Umfangs wegen nicht abtippen werde, von einem Evan Crankshaw, das in sehr poetischen Worten dazu auffordert, das ‘Exotische’ nicht durch Reisen in ferne Länder zu suchen, sondern stattdessen “mit den Ohren von anderen zu hören” und so seinen Verstand zu erweitern. Sehr psychedelisch eben – und noch immer konsistent mit dem Thema des Artworks. So etwas mag ich ja. Ich bin also extrem gespannt, was es nun zu hören gibt.

Die Musik setzt irgendwie plötzlich ein, aber das kann auch meinem Plattenspieler zuzuschreiben sein. Eine raue, aber nicht tiefe Leadstimme, begleitet von einer höheren Backgroundstimme, die kurz darauf den Leadvocal übernimmt, singt zu prickelnder, fließender Psychedelia, die tatsächlich etwas im weitesten Sinne “nicht-westliches” an sich hat – das wird spätestens dann hörbar als hoch jaulende Streicher einsetzen, aber auch das leichtfüßig-melancholische passt irgendwie zu dem Ambiente, welches das Cover vorgegeben hat.

Der erste Track Majesty ist schnell vorbei, der nächste, Jungle Birds ist schnell, überlaufend vor Eindrücken, der Gesang ist ruhig, während sich im Hintergrund die Musik überschlägt – es gelingt der Band hier wirklich, u.a. durch den Einsatz von Flöten, einen Eindruck von Dschungel heraufzubeschwören. Die Musik ist wild, unübersichtlich und anziehend.

Und auch dieser Titel ist im Handumdrehen wieder vorbei, und Taboo Groves setzt ein. Er ähnelt dem Vorgänger – es gibt Gesang, doch es dominieren eher die Instrumentalpassagen. Hier passiert immer noch viel, doch es wirkt nicht mehr so chaotisch, vielleicht haben sich meine Ohren auch daran gewöhnt. Die Stimme wird immer von einem oder mehreren Backgroundsängern begleitet; überragend ist der Gesang nicht, die Stimme hat zwar etwas ungewöhnliches, leicht quäkiges, aber sie steht klar im Hintergrund im Vergleich zur restlichen Musik. Der Offbeat wird effektiv eingesetzt, um gemeinsam mit ausladenden Akustikgitarrensoli eine mühe- und schwerelose Atmosphäre zu evozieren.

Auch dieser Track ist kurz, es folgt Majestic Fruit, mit einem sanften, an plätschernde Wasserfälle erinnerndem Intro voll eingestreuter Effekte, die einem immer noch das Gefühl geben, durch einen üppigen Dschungel zu stromern. Auch hier werden unübliche Instrumente eingesetzt, um das in dem Zitat auf der Rückseite angesprochene “Exotische” heraufzubeschwören. Wie “exotisch” das für die Bandmitglieder mit ihrem jeweiligen kulturellen Hintergrund nun wiederum ist, wäre eine andere interessante Frage. Die Musik schwillt langsam an, es wird darübergemurmelt, doch nicht richtig gesungen, die Stimme wird zum Instrument, anstatt sich hervorzutun. Weiterhin sind Flöten, Rasseln, Trommeln zu hören, und als würde ein Feuer erlischen, ist auch dieser Song urplötzlich zu Ende.

Mit Anya kommt nun der letzte Song der ersten Seite. Auch dieser setzt ruhig ein, im Hintergrund hört man Stimmen, die von einer Aufnahme zu kommen scheinen und offenbar nicht Englisch sprechen, doch es ist schwer zu sagen. Dann kommen Gesänge, die an Naturvölker denken lassen, bevor der übliche englischsprachige Gesang einsetzt. Auch dieser Track gleich sich musikalisch den Vorgängern an, er ist aber sehr gediegen, episch, mehr Struktur und weniger Chaos. Die Percussions lassen mich an den Genre-Begriff “tropical” denken. Das leichtfüßige Plätschern des Beats steht im Gegensatz zu der dominanten gedehnten und schwermütigen Streichermelodie. Immer mehr Layer legen sich übereinander, zwei Melodien spielen nun gegeneinander an. Nun erinnert das Ganze an das Unwort “Weltmusik”, was ich nicht wertend in Bezug auf die Musik meine, das Wort habe ich nur mangels eines besseren Einfalls eingeworfen; es sind jedenfalls kaum mehr westliche Einflüsse zu hören. Die Musik schrumpft zusammen, die Sprachaufnahmen übertrumpfen sie und verschwinden schließlich im Rauschen; die erste Seite ist vorbei.

Seite Zwei beginnt wild, fröhlich; wieder regiert das Chaos. Unter der dominanten Melodie werden parallel noch mehrere andere gespielt. Dann bricht das Ganze weg, um den Beat in den Vordergrund zu stellen, doch kurz darauf geht es wie gehabt weiter. Gojira scheint ein Instrumental zu sein, bei dem die Gitarren zum Jaulen gebracht werden. Dieser Track ist wohl der bisher psychedelischste, mit jeder Menge altbekannter Effektpedale, und sehr starken Drums, denen manchmal fast alleine die Bühne überlassen wird. Sie schwellen rauschhaft an, irgendwann hört man Rufe, die Gitarren setzen wieder ein, das Ganze wirkt jetzt eher wie eine Jagd durch den Dschungel auf LSD. Immer wieder ertönen Soundeffekte, die an den Schrei eines Vogels o.ä. denken lassen – die dichte Atmosphäre bleibt. Dann tröpfelt der Song aus – auch dieser kürzer als im Genre üblich.

Rhama folgt als nächstes. Die Gitarren brummen tief, lassen sich Zeit, hier wird man nicht mit Reizen überflutet. Auch der Gesang ist zurück, lässt sich in die Musik fallen. Bisher ist diese Seite deutlich klassischer psychedelisch als die andere, auch der getragen-eintönige Gesang, den man so schon oft bei Genrekollegen gehört hat. Bei der nächsten Instrumentalpassage werden die Klänge wieder höher und schriller, weg vom Altbekannten und wieder näher am Stilmix der ersten Seite. Diese Passage zieht sich hin, ich freue mich, als der Gesang wieder einsetzt. Er ist so verfremdet, dass er auf einer Ebene mit der Musik liegt und sich nicht in den Vordergrund spielt. Der Song scheint mir bisher der längste, doch auch er findet sein Outro, das wieder sehr dschungelhaft und verspielt klingt.

Sarangi setzt mit Trommeln ein, klingt wirklich am deutlichsten indisch von allen Tracks bisher – der englische Gesang wirkt fast deplatziert. Ohne ihn könnte man hier auch traditioneller Musik lauschen, so erscheint es mir als Laien auf diesem speziellen Gebiet. Nach einer Weile wird der Gesang sehr langsam, während im Hintergrund noch immer atemberaubend schnell getrommelt wird und allerlei Melodien durcheinander wirbeln. Hier wird eine gekonnte Hochzeit des psychedelischen Parts mit der traditionelleren indischen Musik gefeiert.

Eine Pause – ist dies möglicherweise der nächste, und letzte Track, Mountain Man? Ich vermute es, denn der musikalische Bruch ist deutlich zu hören. Dieser Song treibt nach vorne, erinnert mich auf einmal an traditionelle irische Musik – was auch ein legitimer Einfluss wäre, natürlich. Wieder verschwindet der Gesang beinahe im vielfältigen Gewirr der Musik, aber eine dominante Melodie ist klar zu erkennen. Den Dschungel höre ich jetzt nicht mehr, dafür grüne Felder und fließende Bäche, aber das mögen meine eigenen Assoziationen sein. Wobei Mountain Man, der Titel, den geografischen Wechsel schon andeutet, und die irischen Klänge bilde ich mir gewiss nicht ein – die Musik wird immer schneller und vermischt sich mit Rufen, wie man sie oft bei Volkstänzen hört. Ein überraschender Ausklang der Platte, der zum ersten Mal mit dem vorherrschenden Thema bricht. Der Gesang hört ebenfalls auf und überlässt uns ganz dem imaginären Volksfest. Nun hat auch dieser Track seine Längen, doch kaum ist das niedergetippt, verlangsamt er sich und bereitet sich auf das Ende vor, das in Form einen letzten langgezogenen Tons kommt.

Fazit? Erst einmal ist das eine unglaublich intensive Art Musik zu hören und auch zu rezensieren, die ich sicher nicht zum letzten Mal gemacht habe. Vor allem, da ich gerade nach neuer Inspiration lechze. Die Platte von Flamingods bietet auf jeden Fall interessante Genrebrüche, und ihre tiefe Verbundenheit zu östlichen Klängen wurzelt offensichtlich auch in der Herkunft der Bandmitglieder, es ist also kein musikalischer “Tourismus”. Eine Platte zum Nebenbeihören ist es nicht, dafür ist sie zu anstrengend; sie fordert Aufmerksamkeit. Vielleicht etwas zu chaotisch für meinen eigenen Geschmack, aber gleichzeitig bewundere ich ihre Fähigkeit, Konzentration herauszufordern, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und sich nicht mit Hintergrundgeplätscher zufriedenzugeben. Die größte Stärke ist aber auf jeden Fall das gekonnte Heraufbeschwören von Szenerien, Orten und Situationen, die beim Hören im Kopf entstehen, als würde man sie selbst erleben. Das geschieht gerade durch das Zurücknehmen von Vocals zugunsten von vielfältigen, oft gegeneinanderlaufenden Instrumenten und Melodien, den Einsatz von Soundeffekten und Verfremdungstechniken. Diese Platte sprudelt vor Leben und scheint sich in ihrer Kreativität keine Grenzen zu setzen. In meinen Augen ein gelungener, aber auch herausfordernder Ausritt aus dem Psychdelic-Genre.

Q&A: Telegram

The 5th of May was Ascension Day, it felt like the first day of summer and everyone had BBQ at the park. Except us – we were sitting in a bar next to the train tracks of the U1 interviewing Matt Saunders, the singer of UK newcomers Telegram. Later that evening the London based fourpiece would have their second German gig ever after the Munich debut the night before. Despite of the weather there was a decent amount of people who didn’t want to miss this historic event.

Telegram just released their debut album Operator in February featuring their hit single Follow amongst other rough, catchy, punkish songs. With this record they fulfilled the high expectations the debut single had set. Live on stage it wasn’t hard for them at all to recreate the unpolished sound of the record and they played a tight and fast paced set.

During our talk with Matt we got a glimpse of the creative process behind both their music and the accompanying art and visuals.

You just released your first album Operator. We noticed that it sounds almost like a live recording, very raw and unpolished. How did this decision come about to record it that way?

We recorded it on a boat down Docklands, which has a studio inside of its hull. Rory Atwell, our producer, has a quite “live” style anyway. Being a live band, we kind of wanted that energy on the album. It would have felt strange to people who have seen us play before to have a polished album, that wouldn’t feel right. When you release your first record, you’re still at a stage where you need to get people to come to your shows and check you out, so I think it should be a sample of what you’re like as a live band.

Were you consciously trying to find a middle ground between having a lot of rawness and noise on the one hand and quite catchy, accessible melodies and guitar parts on the other hand?

Yeah, you’ve got to be careful and find the right balance. When we write songs we start with an initial structure that is based on a simple melody and then we add noise and effects… I think if you start the other way around it’s not really working.
I love a lot of good pop as long as it’s real and you can believe the person that it’s coming from. As a band you are constantly told that you need to have one or two songs which will get you on the radio, which is the only way that you will get booked for festivals as well. You have to think on a different level about what you’re doing. We are trying not to let it get to us but it’s still how things work.

What are your thoughts on how the second album is going to sound like? Anything about the debut album that you want to depart from?

The first record is fast, it has a lot of pace in it. A lot of the new songs we are writing at the moment have that as well, but we don’t want to make a complete follow-up to the first record. We want it to be quite different, to be a little groovier in its tempo.

There is definitely a big consistency between your sound and your visuals. We noticed that all your music videos have the same intro for example. What’s the concept behind it?

I’ve got a VHS camera that we shot the first video for Follow on and I had a clear idea in my head how I wanted it to look. I used to work at a location for photography and film, which had two rooms with wooden panels on the walls. One was cream white and the next one was black, so we would do the same set up and click from one room to the other.
The credits in front were also made with that VHS camera. It has a controller where you can type in the credits and they come up on the TV screen, then you have to make sure that everything in the room is dark to film the TV screen. The problem is, if the thing breaks… (laughs) So I’m trying to copy all the letters so if it did happen we could just cherrypick letters digitally and pop them in … though it’s cheating a bit.

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Matt Saunders ©Nora Lee
Speaking of technology – you named your band Telegram and your album is called Operator. Is there a background to it, such as a retro technology theme?

Yeah, I think this aesthetic has a sort of dystopian, sci-fi theme – things like Kurt Vonnegut and J.G. Ballard, that imagery is quite attractive to me. The name “Telegram” came about four years ago, when I was looking at a newspaper which had a list of releases for record store day. I was just circling words that would be good for a band name, and there was a re-release of Telegram Sam by T-Rex. When that word came up it just felt good, satisfying in a way.
Operator was going to be called Telegram originally, which was lazy. We would always talk about calling it like a constellation or some other spacy thing… The name Operator came about because I was working on the artwork at the time and using a telephone as the basic back of the record as a theme – a telegram is being sent via a telephonic machine that you would press certain numbers on. This was maybe a day before we had to decide the title. As I was going through images of buttons on the telephone, one of them just sat staring at me, it said “Operator” and I thought “Ah, that’s perfect!” That sums up a lot of things that we’re about.

So you also did the artwork yourself?

Yeah, I went to art college for like four years and art is still a hobby of mine. I’ve also got a little studio space. For me the idea of somebody else doing the artwork is like getting another person to buy a birthday present for your girlfriend or boyfriend, giving them a couple of ideas what they’re into and then they go off and buy something for them. But if you find somebody to collaborate with that you can really trust then that’s worthwhile and I’m totally up for that. I mean there’s limits and boundaries and at some point I’ll have to get help, maybe.

Let’s talk about the lyrics a little. Do you focus on telling a story or is it more abstract…?

I imagine a lot of the lyrics are rather sentiments, as opposed to stories, in the same way that you might feel angry or upset or interested or bored or in love or whatever it is you’re feeling, and of course there is a story about it, and then I abstractly write about it.
There are so many lyrics that are just a repetition of the same themes and lines, about love or missing someone or this or that… It’s just not very original, so I try to be more abstract to make it interesting. I’m a big fan of Leonard Cohen for example. He’s really good at creating lines of abstraction, and then there is one line that is really straightforward and very simple which ties it all together and gives it a meaning, before it goes back to strangeness again.

Do you put personal experience into your lyrics as well?

Definitely. There will be one line that’s very specific to something from experience, and the next will be more of a general feeling about time, or space … it’s quite mixed up.

We read that you crowdfunded your album. Is that something you would do again?

I mean, it was really hard work but at the same time – it worked. We had a record deal with Sony but after nine months of nothing happening, it fizzled out, and then we went that way instead. Initially I was a bit skeptical, I didn’t like the idea of crowdfunding. To me traditionally, growing up, that’s not how a band puts a record out. But actually I think the simple method of a fan buying a record upfront – paying for the record before it’s been made – is a really clever way to do it, because you’re not asking for anything more than the cost of the record you would pay for anyway, it’s just reversing the order in which it happens. And if we did it with a label they would take 80% and we would have 20%, of control over things as well. All of that nonsense disappears. I would recommend it, and we would do it again.

Neues Album & Tour: DIIV

Vier Jahre lang war es ruhig um Zachary Cole Smith und DIIV, die Nachfolgeband von Beach Fossils. Ob er einfach nur mit Freundin Sky Ferreira ein Haus bauen wollte oder ob es an seinem Drogenentzug lag, wollen wir jetzt nicht weiter erörtern, schließlich ist das hier ja ein Musikblog. In Vorfreude auf die im März kommende Tour haben Edgar Storch und Belle Brummell ohne jeglichen Weinkonsum das neue Album “Is The Is Are” ausführlich diskutiert.

Edgar Storch: Wie soll man diese Musikrichtung am besten bezeichnen? “Dreamy Indie Rock” finde ich ganz gut, dreamy ist es auf jeden Fall, auch wenn du dir die Musikvideos anguckst: auf 8mm-Film geshooted, Mädchen mit langen Haaren in American Apparel Hotpants … dieses Feeling, das schwimmt auf so einer Emotionswelle, die nicht direkt traurig ist, aber auch nicht gut gelaunt, eher so ein bisschen desinteressiert.

Belle Brummell: Es hat mich ehrlich gesagt überrascht, dass DIIV in New York wohnen, weil ihre Musik eindeutig diesen Surf-Einfluss hat, dieses kalifornische, und dann auch noch der Name, “Dive”, wie auch schon Beach Fossils. Diese Welle ist einfach nach New York übergeschwappt, wortwörtlich. Als es damals losging, mit DIIV und anderen Bands wie Swim Deep, dieser ganze Lo-Fi-Surf-Wave-Kram, hat mich das nicht besonders interessiert, aber jetzt mit dem zweiten Album kam man ja nicht mehr daran vorbei.

Edgar:  Ich habe das erste Album auch nicht so wirklich gehört, dabei mochte ich schon Beach Fossils gerne. Aber dieses 17 Song starke zweite Album hat mich total überzeugt. Es hat die ganze Zeit etwas monotones, es wiederholt sich und baut eine Stimmung auf, die um dich herum wabert, sodass du dich darin verlieren kannst wie in einer analogen Traumwelt.

Belle: Ich stelle mir das live sehr geil vor, weil die Lieder dieses repetitive Element haben und auch nicht sehr vocal-lastig sind, obwohl Vocals da sind, aber die Hook wird immer von der Gitarre gespielt. Dadurch funktioniert die Musik auch, ohne dass man konkret auf die Lyrics achtet.

Edgar: Das stimmt, die Stimme setzt sich gar nicht ab von den Instrumenten, sie wird selber zu einem Instrument und fügt sich da komplett mit ein. Es ist fast schon Instrumentalmusik.

Belle: Für mich hat Dopamine von Anfang an sehr rausgestochen, weil es als einziges Lied sehr prominente Vocals hat. Die anderen Stücke ähneln sich für mich sehr, sie sind eher instrumental, zumindest die Haupthook. Und Dopamine hat diesen sehr repetitiven Gesang. Eins von diesen fiesen Liedern, die nie zu einem Punkt kommen, sondern sich in einem ewigen Zirkel bewegen.

Edgar: Für mich funktioniert es als Gesamtkonzept, ich könnte keinen Titel herausheben, eher als wäre alles ein großer Song. Es erinnert mich an eine Art modernen Indie-Krautrock, da hat man auch 20-minütige Tracks. Da geht es nicht um einzelne Titel. Solche Musik verstehst du erst wirklich, wenn du sie fünf mal gehört hast. Und wenn du ihr irgendwo außerhalb von diesem bewussten Hören begegnest, ist es wie ein Deja vu, das du nicht richtig zuordnen kannst, aber irgendwie hat es etwas in dir ausgelöst. Dadurch kann ich gar nicht sofort sagen “Das ist jetzt DIIV”, wenn ich einen einzelnen Song herausgerissen aus dem Ganzen höre.
Außerdem hast du bei diesem Album die ganze Zeit eine Spannung, die durchgängig erhalten bleibt und dich zum Weiterhören zwingt. Ich habe das Album morgens auf dem Weg zur Schule gehört und mich von meiner Umwelt total abgeschottet gefühlt. Ich wäre fast mit dem Ring einmal komplett rumgefahren. Es hat mich voll reingezogen.

 

DIIV kommen im März/April für vier Konzerte nach Deutschland:

30.03.16 – Köln, Gebäude 9
31.03.16 – Berlin, Lido
10.04.16 – Hamburg, Uebel & Gefährlich

01.04.16 – München, Orangehouse

 

Neue UK-Sounds: Our Girl & Morning Smoke

Das Brightoner Indie-Label Cannibal Hymns macht diesen Monat gleich doppelt von sich reden: Mit Sleeper von Our Girl und Soft Decay von Morning Smoke erscheinen am 18. Januar zwei Singles, bei denen Freunde der düster-verzerrten Gitarren aufhorchen werden.

Das Trio Our Girl um die vielbeschäftigte Frontfrau Soph Nathan hat sich erst 2014 gegründet und legt jetzt seine Debütsingle vor, die im Stil von Bands wie Wolf Alice zwischen hart und zart changiert. Grungige Gitarren und Nathans einschmeichelnde Stimme erzeugen einen entrückten und eingängigen Mix.

Bei Morning Smoke darf es dann ruhig noch eine Spur dreckiger werden: Der so genannte Noise Pop des Quartetts ist eindeutig mehr Noise als Pop. Wer auf Bands wie Drenge steht, dürfte sich hier wiederfinden. Klagende Vocals über dröhnenden Gitarren und peitschenden Drums – Teenage Angst in ihrer schönsten Form.

Best of 2015

Unsere 30 Lieblingsplatten des Jahres, sorgfältig ausgewählt vom indie pen dance Team und alphabetisch sortiert.

 

12366742_1315832198439177_624127064_nA Place To Bury Strangers – Transfixiation
Empfohlen von Polinomdivision

This year’s release by the iconic A Place To Bury Strangers, Transfixiation, is a conclusive continuation of their previous work. The record itself is a highly variable mix of sounds, from less supressed vocals and clearer separation among the instruments like on Straight in the style of Total Control, to the extreme noisy lo-fi whatever as heard on I will die, that also marks quite a good and impressive ending of the longplayer. Inbetween there is a huge package of hunting, explosive, catchy, post-punk-shoegaze-noise-styled and intense sounds. Well I guess not songs but sounds is the most accurate description for the content of Transfixiation and the whole achievement of APTBS in total, since the whole experience of their music is focused on everything put together. So this unique combination of impressions is more precisely described as a sound, the very special ATBS sound. All in all again, same as their previous presentations, the most recent one is very engaging, athmospheric and melancolic and the band themselves are badass live performers who maintain a habit for smashing their instruments on stage. Well, highly recommended on every occasion.

 

12399091_1315986231757107_1434684654_nAusmuteants – Mates Rates 7″
Empfohlen von Polinomdivision

Ausmuteants’ this year 7-inch release contains, next to the catchy and quite to the point single Mates Rates, a cover version of the legendery 80s hit Echo Beach by Martha and the Muffins. The interpretation of the song is recognizable as their own. From time to time the voice doesn’t seem to fit so well though and it gets too screamy but all in all it’s a good listen. The wave-punks in the manner of Lost Sounds and Digital Leather are excellent at mixing musical styles in their own productions. Snotty garage voices are combined with synthie sounds. At least two decades of music meet in the recordings of the young band. Impressive, indeed.

 

12375461_977640335636729_1234226921_oBeach House – Depression Cherry
Empfohlen von Pete Pelican

Rechtzeitig läuteten Beach House dieses Jahr mit ihrem bereits fünften Album die Herbstsaison ein. Wie man es schon von den Vorgängern gewohnt ist, bekommt man erneut melancholisch verträumte Songs mit lieblichen Melodien, die die 5-Minuten-Marke kaum unterschreiten und allesamt mit der zärtlich schwelgerischen Stimme Victoria Legrands vorgetragen werden. Das Ganze klingt sogar noch einen Ticken schwermütiger als bisher, was wohl daran liegt, dass hier noch mehr effektgeladene Gitarren und Synth-Flächen übereinander gelegt wurden. Teilweise gibt es dieses mal sogar verzerrte Gitarren zu hören (Sparks). Das reduzierte Schlagzeug bzw. Drumpad und die immer wieder ruhigen und zurückhaltenden Momente sorgen aber stets dafür, dass es nie zu überladen klingt. Wer also mal wieder eine Runde träumen möchte, Licht aus und Musik an! Fazit: Das entspannteste Album des Jahres.

 

10543109_989038364466589_1143384651_nBilderbuch – Schick Schock
Empfohlen von Edgar Storch

Diese Band macht einfach nur Spaß. Wenn die strammen Buben von Bilderbuch auf die Bühne gehen und mit ganz viel Homoerotik die Mädels verrückt machen, bleibt keine Achsel trocken und es tut sich schon mal ein Mosh Pit in der dritten Reihe auf. Aber ob ich dieses Album jetzt als Mädchen-Musik klassifiziere oder als Progressive-Art-Electro-Rock, bleibt dir überlassen. Ob du dieses Album in fünf Jahren noch hören wirst, kann ich dir genauso wenig prophezeihen. Doch sicher bin ich mir, dass du Silvester, gekleidet in feinster Seide mit einem Softdrink in der Hand, hemmungslos dazu abdancen wirst. Denn dieser Schick Schock kommt mit einer freshen neuen Blondierung daher, die sich gewaschen hat und lässt jeden Barry Manilow wild zu jedem auskomponierten Takt das Becken schwingen. Ich sag es laut: Maurice, ich bin hinter deinem Hintern her.

 

the-bohicas-the-making-of-e1439765648831The Bohicas – The Making Of
Empfohlen von Belle Brummell

Das (zumindest von mir) langersehnte Debütalbum der Bohicas knüpfte wie erwartet da an, wo Vorabsingles wie XXX und Swarm aufgehört hatten, nicht jedoch ohne ein paar Überraschungen aus dem Hut zu ziehen, etwa die 60s-lastige Popverliebtheit von Only You oder das dramatisch-intime Red Raw. So gut wie jeder Song ist ein Treffer, dennoch fehlt dem zackigen Indie-Rock im bewussten Retro-Gewand (noch) eine eigenständige Linie. Am ehesten bemerkt man eine solche, wenn die Gitarren in latent düsteren Tracks wie den genannten Singles in höchsten Tönen kreischen, im Chorus von Swarm in einem genialen Zug einen akustischer Bienenschwarm aufheulen lassen. Die Texte jedoch bleiben trivial und voller Platitüden – durch diese inhaltliche Oberflächlichkeit ist das Album zumindest leichte Kost, deren simple Texte sich in kürzester Zeit mitgrölen lassen. Vom Talent her ist die Band durchaus in der Lage, eines Tages den einen, großen Hit zu schreiben – um eine große Band zu werden, vermisst man bei Sänger Dominic McGuiness (übrigens der Bruder von Eugene, der es wiederum in unser Best of 2012 schaffte) – so routiniert er sich auch in seiner Rolle gibt – zu sehr sowohl das stimmliche Charisma als auch die persönliche Ausstrahlung, die bei einem Frontmann so unverzichtbar ist.

 

Courtney_BarnettCourtney Barnett – Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit

Empfohlen von Madame Blanchard

Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit” – damit kann ich mich identifizieren. Eine bunte Tüte aus Alltags-Geschichten, -Faszinationen und -Diskursen hat uns die Australierin da ausgegeben. Klasse!

Empfohlen von Pete Pelican

Mit einer Leichtigkeit hat sich die 28-jährige Australierin dieses Jahr mit ihrem Debütalbum in die Herzen etlicher Musikfans, zu einem Support-Slot von Blur und zu den Grammys gespielt. In einfache Melodien gepackt, singt sie mit ihrer gelassenen, unaufdringlichen Stimme kreative, witzige und ironische Texte über ihren Heimatvorort in Sydney, Essgewohnheiten oder Erlebnisse im Schwimmbad. Das Album strahlt eine Unbeschwertheit aus, dass man gleich alles stehen und liegen lassen will, um einfach nur dieser wunderbaren Songsammlung zu lauschen. Fazit: Bestes Debütalbum des Jahres.

 

12398297_914331801989227_857865894_oDrenge – Undertow
Empfohlen von Annie May

Nach ihrem gefeiertem Debütalbum 2013 und exzessiven Touren meldeten sich Drenge nur zwei Jahre später mit ihrem zweiten Album zurück. Undertow ist nicht so wild, so ungebürstet wie sein Vorgänger. Es ist Drenge mit einem Feinschliff, was sich gut durch das schnieke Hochglanz-Cover erkennen lässt. Für dieses Album holten sich die Loveless-Brüder noch den Bassisten Rob Graham ins Boot, der besonders auch live eine wertvolle Addition zur Band ist. Im Allgemeinen wirkt das Album düsterer und auch mystischer, trotz der ersten draufgängerischen Single We can do what we want. Das versteckte Highlight von Undertow ist jedoch der vorletzte Song Standing in the cold, welcher tief unter die Haut geht.

 

12375616_914331788655895_282851401_oEverything Everything – Get To Heaven
Empfohlen von Annie May

Die Band aus Manchester veröffentlichte dieses Jahr ihr drittes Album unter dem Namen Get to heaven, welches sie zwar nicht in den Himmel, dafür aber in die Dauerrotation der englischen Radiosender und auf die Bühnen der großen Festivals brachte. Die verdiente größere Aufmerksamkeit ist vor allem den beiden Hits des Albums, Distant Past und Regret zuzuschreiben, aber auch der Rest des Albums ist ein sehr stabiler Grundbau. No Reptiles und Spring/Summer/Winter/Dread sind nicht unter den Teppich zu kehren.

 

Ezra-Furman-Perpetual-Motion-People1Ezra Furman – Perpetual Motion People
Empfohlen von Belle Brummell

Mit Perpetual Motion People veröffentlichte der gerade mal 28-jährige Ezra Furman bereits sein sechstes Album in neun Jahren. Auf diesem umarmt er große Pop-Chorusse und bindet sie in seine einzigartige Mischung aus rumpeligem Country, Punk-Einflüssen und lupenreinen Singer-Songwriter-Momenten ein. Trotz der alles überstrahlenden Singles Restless Year und Lousy Connection, die den US-Amerikaner endgültig aus dem Underground herauskatapultierten, liegen die wahren Highlights versteckter: Hour of Deepest Need etwa, diese brutal ehrliche Ballade, auf der Furmans einzigartig-schräger Gesang von unglaublichem Schmerz zeugt („Sometimes the wound hurts powerful indeed / But sometimes you just got to let that sucker bleed“). Aber auch die jüngste Single und Body-Positivity-Hymne Body Was Made ist hervorzuheben, nicht nur wegen ihrer Message, sondern auch aufgrund eines fantastischen Saxofon-Solos, das live noch tausendmal besser ist. Überhaupt ist Furman thematisch am Puls der Zeit – die Songs auf Perpetual Motion People drehen sich um Gender-Identitäten, Politik und Depressionen, sie machen Spaß und berühren. Und live spielen er und seine Band The Boyfriends sowieso in der allerersten Liga.

 

12375732_977640385636724_2121305996_oFidlar – Too
Empfohlen von Pete Pelican

Mit ihrem zweiten Album schlossen Fidlar dieses Jahr direkt an ihr Debütalbum an. Sprich: Es geht genauso ausgelassen und ungezähmt heiß her wie man es gewohnt ist. Vorpreschende Drums, durchgeschrammelte Gitarren und Texte übers Feiern, Saufen und Wochenende, aber auch Herzschmerz. West Coast ist praktisch der Nachfolger von No Waves und sowieso schreit dieses Album danach, alles hinzuschmeißen und durchzudrehen. Der perfekte Start ins Wochenende und das perfekte Sommeralbum des Jahres 2015.

 

FoalsCoverFoals – What Went Down
Empfohlen von Pete Pelican

Neben Jamie xx’s In Colour definitiv einer meiner Favoriten dieses Jahr. Foals schaffen es tatsächlich immer wieder, einen mit jedem neuen Album zu überraschen und umzuhauen und am Ende kann man sich trotzdem nicht entscheiden, welches man nun am besten finden soll. Bei diesem Album kommt praktisch alles zusammen, was bei den vorangegangen Alben schon überzeugte. Die klimperhaften Melodien, vorantreibenden Drums und groovenden Basslines, die so gut wie in jedem Album herausstechen, dazu die Melancholie von Total Life Forever und die rohe Gitarrengewalt von Inhaler und Providence, die hier in der Vorabsingle What Went Down und in Snake Oil ihren Höhepunkt erreicht. Mit dem Arctic-Monkeys-Produzenten James Ford haben sie sich außerdem genau den richtigen Mann ins Studio geholt. Dieser sorgt hier für eine kraftvolle und glasklare Produktion. Jetzt das ganze noch live erleben! Fazit: Das bombastischste Album des Jahres.

 

12394505_977639908970105_335967170_oGengahr – A Dream Outside
Empfohlen von Pete Pelican

Bei der Band Gengahr handelt es sich um vier junge Londoner Jungs, die es dieses Jahr schafften, aus der Masse der britischen Newcomer-Bands herauszustechen und sich deshalb auch schon die Bühne mit Alt-J teilten. Ein erfrischend neuer Gitarrensound mit Funk- und Grunge-Anleihen trifft hier auf eine faszinierende hohe mitreißende Gesangsstimme. Alles poppig und eingängig arrangiert, aber trotzdem speziell, wandern die groovigen Songs übers Ohr in den Kopf und direkt in die Füße. Dark Star gehört zu den besten und tanzbarsten Instrumental-Songs, die ich in letzter Zeitt gehört habe. Textlich gesehen sprudelt das Album zwar nicht an Überkreativität, aber wer brauch das schon bei solch schöner Eingängigkeit. Fazit: Beste Neuentdeckung des Jahres.

 

f371291856251ba998e049fa457c5ad7.600x600x1Halsey – Badlands
Empfohlen von Redheadess

Ashley Frangipane alias Halsey ist noch nicht mal 21, als ihr Debütalbum Badlands im August die Regale und Charts erobert. Badlands schafft es in den US-Albumcharts auf Platz 2 und in Deutschland immerhin in die Top 40.
Von ihren Texten auf ihr Alter zu schließen, wäre fatal. Badlands ist ein wütendes, episches, junges, wildes Gesamtwerk. Es ist sexy, unzähmbar, bildgewaltig und gleichzeitig verletzlich. New Americana beispielsweise kommt mit seinen “Aaahs” und Mädchenchören daher, mit seinen Zeilen über US-Teens im 21. Jahrhundert. Bilder von Cheerleadern, dreckigen Schulhöfen, ersten Autos und illegalen Hauspartys kommen in den Sinn, nur um von der Reife und Schwere von Songs wie Drive, Roman Holiday, Colors und Coming Down zerstört zu werden: Tracks über weitaus erwachsenere Themen wie Drogenmissbrauch und Sex in Autos. Überhaupt ist Geschlechtsverkehr ein wiederkehrendes Thema in Halseys Songwriting, aber ohne zu obszön zu werden. Es ist subtil, aber es ist da.
Badlands ist ein Electropop-Album, kommt jedoch mit einer Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit, das Feld aufzumischen, wie man es zuletzt bei Lorde gesehen hat. Mit keinem Song von Badlands würde man Menschen zum Tanzen bringen, aber das ist auch gar keine Priorität. Album an, Kopfkino. Wenn das Album jedoch endet… dann ist er da, der Ohrwurm. Diese unauffälligen Zeilen von Ghost, Halseys erster Single und gleichzeitig dem letzten Track auf dem Album. Mit einem unglaublichen Musikvideo, was mindestens genauso lange im Gedächtnis bleibt wie der Refrain.
Halsey arbeitet jetzt schon an einem zweiten Album, aber erstmal kommt eine lange Tour, die sie im Frühjahr 2016 auch nach Berlin bringt.

 

12386595_1316066048415792_1994703095_nThe Hex Dispensers – III
Empfohlen von Polinomdivision

The third LP by Austin trio Hex Dispensers, III, released on Alien Snatch Records, is a well done piece of work. Well, it’s more like a hit machine to word it more precisely. Every song could easily be released as a single. Their style of clear vocals combined with melodic punk sounds mixed with female vocals is a fine product. Check it out.

 

938748_977640462303383_558059624_oHealth – Death Magic
Empfohlen von Pete Pelican

Nach 6 Jahren Abwesenheit und einem Videogame-Soundtrack kehrten Health dieses Jahr mit ihrem dritten Album Death Magic in ihr gewohntes Milieu zurück. Wieder geht es sehr verschroben und bizarr zur Sache. Verträumte Shoegaze-Passagen werden kontinuierlich mit ohrenbetäubenden, effektüberladenen Noise-Passagen gebrochen. Darüber schwebt die gehauchte und verhallte Stimme von Sänger Jake Duzsik. Wem das jetzt schon zu komplex und ungewohnt klingt, dem sei aber trotzdem der Song Life zu empfehlen. Wer hätte gedacht, dass zwischen dem ganzen unheimlichen Noise so ein luftiger, leichter, ja fast schon sommerhittauglicher Song mit direkt im Kopf hängen bleibender Melodie zu finden ist. Und eventuell hört man sich ja doch noch rein. Fazit: Aufregendstes Album des Jahres.

 

1612977_977640202303409_278134000_oJamie xx – In Colour
Empfohlen von Pete Pelican

Für mich die Überraschung des Jahres. Als Fan von gitarrenlastiger Musik hätte ich nicht gedacht, jemals ein fast ausschließlich elektronisches Album zu meinen Favoriten zählen zu können. Sicherlich spielt hier der xx-typische Sound eine Rolle, allerdings geht es hier bedeutend farbenfroher zu. Zu den bekannten Drumpad-Sounds, die die Beat-Grundlage liefern, gesellen sich wummernde Bässe, die einem teilweise den Boden unter den Füßen wegreißen. In jedem Song gibt es so viel wunderschöne neuartige Sounds zu entdecken, sei es nur die kleinste Melodie die vor sich her säuselt und für eine ganz bestimmt Atmosphäre sorgt. Von Beginn bis Ende wird man hier durch verschiedene Gemütszustände geführt. Will man zu Beginn noch ausgiebig zu Gosh feiern, wird man mit Seesaw schon in eine Art verträumten Schwebemodus versetzt, der in Stranger In A Room seinen Ruhepunkt erreicht. Danach noch ein wenig Gänsehaut versprühende Romantik mit Loud Places, bevor man mit Good Times wieder in den nächsten Club gezerrt wird und am Ende mit dem epischen The Rest Is Noise und Girl erstaunt entlassen wird. Fazit: Das abwechslungsreichste Album des Jahres.

 

Kurt_VileKurt Vile – B’lieve I’m Goin Down…
Empfohlen von Madame Blanchard

Die Gitarre steht ganz klar im Mittelpunkt dieser Blues-Country-R&B-Kombi. Kurt Vile hat für mich mit diesem Album im September die Herbst-Melancholie eingeläutet, auf eine sanfte und wohlige Weise. Man fühlt sich aufgehoben, aufgenommen unter einer warmen Roots-Sphäre und ist bereit “einen Gang runter zuschalten” um wieder aufzublühen.

 

The Maccabees_Marks To Prove It_album artworkThe Maccabees – Marks To Prove It
Empfohlen von Redheadess

Nachdem sie sich drei Jahre in ihrem kuscheligen Studio einschlossen und bis auf ein paar Sommerfestivals und DJ-Sets nicht viel von sich hören ließen, haben die Maccabees dieses Jahr einen lang ersehnten Kracher rausgehauen. Schon bei der Vorabsingle Marks To Prove It, die zugegebenermaßen wohl der schnellste Song auf dem gleichnamigen Album ist, ließ sich ein großer Schritt in Richtung Festivalheadliner erkennen. Nachdem die meisten Songs auf dem dritten Album Given To The Wild (2012) nicht wirklich livetauglich – da zu experimentell – waren, kann man das Gleiche nicht von ihrer 4. LP behaupten. Schon vor Albumrelease bekamen einige bei Liveauftritten einen Vorgeschmack: neben Marks To Prove It, das mit seinem aufregenden Tempowechsel und Kampfschrei am Anfang viel wilder als alles zuvor daherkommt, darf das Publikum bei Something Like Happiness in romantische “Oooh”-Chöre einstimmen, kriegt bei WWI Portraits und Spit It Out wegen Orlando Weeks’ ungewohnter Aggressivität Gänsehaut und wippt melancholisch zum ruhigeren Kamakura mit. Letzteres hat sich mittlerweile zum Fan-Liebling entwickelt und klingt fast noch schöner in einer der zahlreichen Akustik-Versionen, die die Maccabees in mehreren Sessions gespielt haben.
Marks To Prove It ist Elephant & Castle gewidmet, dem touristen-untauglichen Stadtteil in Südlondon, in dem die Maccabees ihr Studio haben. Es ist nicht der schönste Ort in London, ein bisschen dreckig und gruselig, gleichzeitig kurz vor der Gentrifizierung, aber wichtig für die Menschen, die dort wohnen und arbeiten und die Elephant & Castle lieben gelernt haben. Das Albumcover ziert ein Denkmal, das Faraday Building, was bei Tageslicht noch lange nicht so schön aussieht, wie wir es auf dem 4. Album erleuchtet zu sehen bekommen.
Die Songs, die man bis zum Release noch nicht live erleben konnte (und auch jetzt auf der Bühne eine Seltenheit sind), reihen sich teilweise nahtlos in das Konzept ein und könnten doch interessanter nicht sein: River Song kommt plötzlich mit Kazoo daher, Silence wird, anstatt von Sänger Weeks, von Gitarrist Hugo White gesungen und ist so zerbrechlich, dass man kurz Tränen schlucken muss, Dawn Chorus klingt genau wie sein Name: ein himmlischer Chorgesang als perfekter Abschluss für ein vollkommenes Album.

 

Die_NervenDie Nerven – Out
Empfohlen von Madame Blanchard

Die Nerven, bestehend aus den Stuttgarter Herren Knoth, Rieger und Kuhn, haben im Oktober mit ihrem dritten Album “Out” eingeschlagen. Der Bass und die Macht der Worte reiben sich mit einer brachialen 80er-Noise-Geräuschkulisse bis hin zur Ekstase im Detail. Das ist genialer Post-Punk – mannigfaltig auf den Punkt gebracht. “Inmitten der Leere. Hinter Raststätten versteckt. Deine Stimme, die wie Teer die Straßen bedeckt.” (Barfuß durch die Scherben). No Love Lost.

 

12395485_914331785322562_362234860_nSchnipo Schranke – Satt
Empfohlen von Annie May

In der deutschen Musikszene war diese Platte wohl eins der am gespanntesten erwarteten Debütalben. Die beiden ehemaligen Studentinnen der klassischen Musik, die jetzt unter dem Namen Schnipo Schranke vorlautes Teenie-Klavier-Kabarett machen, hatten mit der Single Pisse schon heiß auf sich gemacht. Das Album tropft nur so von ähnlichen Songs, die allesamt von Themen wie Verliebtsein, Sex oder Betrunkenheit in der Karibik handeln. Und dies ist auch ein kleines Manko an der Platte: Was sie einst so frisch und anders machte, wird auf dem Album schnell langweilig, da es zu einseitig ist. Erfolgreich sind sie trotzdem.

 

12367033_914331778655896_990037136_nSlaves – Are You Satisfied?
Empfohlen von Annie May

Slaves, das Punk-Duo aus Kent, sind eine verdammt geile Live-Band. Das haben sie inzwischen oft genug bewiesen. Ihr erstes Album Sugar Coated Bitter Truth erhielt nicht so viel Aufmerksamkeit, die bekam die Band eher durch Supportslots von namenhaften Acts. Ihr zweites Album war da erfolgreicher, besonders durch die vielen frühen Single-Auskopplungen wie Hey, The Hunter oder Cheer up London. Dadurch klingt vieles auf dem Album beim ersten Durchhören schon bekannt. Doch sind die Singles nicht die einzigen starken Songs auf dem Album, Do Something und Live like an animal können dort auf jeden Fall mithalten. Das Album ist gut, kommt aber nicht an die intensive Live-Show der Band ran.

 

GD30OBH.pdfSummer Twins – Limbo
Empfohlen von Belle Brummell

Ich weiß nicht, was es über mich aussagt, dass ich bei dem Albumtitel Limbo zuerst an die Vorhölle und dann an den Tanz denken musste, und das obwohl das Schwesternpaar Chelsea und Justine Brown sich auf dem Cover bewusst – und trügerisch – niedlich gibt. Beide Interpretationen des Namens haben jedenfalls ihre Berechtigung: Seinen garagig-angehauchten Indie-Pop garniert das Duo aus der Burger-Records-Familie mit zuckersüßen 50s/60s-Melodien, Handclaps, Off-Beats und sonnig-kalifornischer Leichtigkeit. Und singt über Damönen, Geisterbeschwörungen und Echte-Welt-Bedrohungen wie Zukunftsangst oder manipulative Beziehungen. Angenehm “normal” wirken die beiden nicht nur durch die generationstypischen Themen und nachfühlbaren Texte, sondern auch durch ihre authentisch ungeschulten Stimmen und kindischen Musikvideos. Dabei verfolgt das zweite Album der grundsympathischen Band eine klare musikalische Linie und überzeugt auch in Sachen Songwriting mit eine ganzen Ladung Ohrwürmer.

 

12394347_977640518970044_1158196315_oTame Impala – Currents
Empfohlen von Pete Pelican

Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer, dass man dauerhaft davon überrascht sein kann, was Kevin Parker da jedes mal alleine in seinem Kämmerlein zusammenschustert. Das dritte Album steht dem Vorgänger Lonerism in nichts nach. Zu dem typisch psychedelischen Klangspektrum gibt es zusätzlich allerhand berauschende Synthesizer aus vergangenen Jahrzehnten. Deshalb ist dieses Album wohl mehr Disco als Rock’n’Roll. Die typischen Elemente wie die markant stampfenden Drums und groovig puckernden Basslines, sowie der unvergleichbar schimmernde Gesang sind natürlich trotzdem wieder mit von der Partie. Allein schon das episch dahinfließende Let It Happen verdient hier eine Extra-Auszeichnung. Fazit: Das funkelndste Album des Jahres.

 

Tess_ParksTess Parks & Anton Newcombe – I Declare Nothing
Empfohlen von Madame Blanchard

Zusammen mit Tess Parks hat Anton Newcombe (Brian Jonestown Massacre) ein Album produziert, dass musikalisch an The Velvet Underground & Nico und Konstellationen wie Serge Gainsbourg & Jane Birkin erinnert. Kratzt sowohl stimmlich als auch textlich am Nerv der Zeitlosigkeit.

 

12387802_977639975636765_1518116271_nTocotronic – Das Rote Album
Empfohlen von Pete Pelican

Den einen oder anderen mögen sie ja mit ihrem neu eingeschlagen Weg, alles etwas pompöser und glatter zu gestalten, nicht ganz überzeugt haben. Aber sind wir mal ehrlich, es war der einzig richtige Weg und mich haben sie damit erst recht überzeugt. Und bei all dem hin und her sind es immer noch klar und deutlich Tocotronic. Die lyrische Poesie Dirk von Lowtzows springt von einem Höhepunkt zum nächsten und gehört wohl mit zu dem besten, was deutschsprachige Musik zu bieten hat. Synthesizer und neue Gitarreneffekte fügen sich perfekt ins tocotronische Klangbild ein, was man sich aber am besten selber in Die Erwachsenen oder Sie irren anhören sollte. Melodien und gewisse Textzeilen bleiben auch direkt im Gehörgang kleben. Fazit: Beste Bandentwicklung des Jahres.

 

pre-release-theories-of-twenty-one-pilots-album-blurryface-379184Twenty One Pilots – Blurryface
Empfohlen von Redheadess

Ich gebe es zu: ich habe versucht, mir Twenty One Pilots anzuhören, ohne auch nur irgendwas über sie zu wissen. Das war naiv. Wenn ich gewusst hätte, dass mich Rap erwartet, hätte ich es vielleicht gar nicht erst versucht. Car Radio von ihrem 2013er-Album Vessel gibt mir so gar nichts. Dann, dank Radio 1, höre ich plötzlich Tear In My Heart von ihrem vierten Album und es ist um mich geschehen. Kein Stück klingt dieser Song nach dem, was ich gehört habe. Viel zu melodisch, zu pianolastig, zu happy. Genau, wie ich es mag. Kann es etwa sein, dass ich den beiden Jungs aus Ohio keine Chance gegeben habe? Sie verdienen also eine zweite. Was mich erwartet, muss ich noch immer verarbeiten. Blurryface ist ein wilder Mix aus Rap, Hiphop-Beats, Elektro, Pop, Stadionrock, Reggaelectro (kein Witz!), Ukulele, Zeilen zum Mitgrölen, zu schnellen Lines, traurigen Klavier-Tracks, Gangvocals, und über all dem Tyler Josephs brilliantes Songwriting. Blurryface ist die Art Album, vor dem man sitzt und verzweifelt. Unmöglich können all diese Songs von der gleichen Band stammen. Wie kommen diese plötzlichen Breakdowns zustande? Wie zur Hölle kann dieser Kerl so schnell rappen? Und warum bekomme ich eine Gänsehaut?
In den USA ist schon vor Jahren angekommen, was für eine besondere Band wir hier vor uns haben, aber hier spielen die beiden trotzdem (noch!) die kleinen Venues.
Während ihr selbstbetiteltes erstes Album noch klang wie ein von My Chemical Romance geschriebenes Musical und die Nachfolger-Alben teilweise die selben Songs in verschiedenen Versionen beinhalteten, ist Blurryface ein Gesamtwerk, das man nicht beschreiben kann. Selbst die Band will sich genretechnisch nicht festlegen.
Kaum ist man mit Heavydirtysoul überrollt worden, mit Josh Duns ultraschnellen Drumbeats und noch schnelleren Zeilen wie “This is not rap, this is not hip hop”, kommt Stressed Out hinterher, weitaus softer, aber nicht weniger hiphop-lastig. Danach wird man mit dem ominösen Reggaelectro begrüßt – ein Begriff, der Ride allerdings auch nicht wirklich gerecht wird. Sagen wir lieber, es ist genau der Song, den ihr auf einem Festival in der untergehenden Sonne hören möchtet. Glaubt mir. Aber es ist nicht alles besorgniserregend: Tracks wie Tear In My Heart und Not Today kommen mit fröhlichem Piano-Geklimper und Fingerschnipsen daher – und Zeilen, die zu lang sind, um sie in ein Albumreview zu schreiben, aber einem den Tag versüßen, wenn man drüber schmunzeln muss.
Zu We Don’t Believe What’s On TV und The Judge wird die Ukulele herausgekramt, die “Nanana”s, die “Ohohohoh”s und die “Yeah yeah yeah”s. Zwischendurch immer wieder Zeilen über das böse Musikbusiness, die auch eifrig dieses Jahr bei den MTV VMAs vorgetragen wurden. Hat sich keiner drüber gewundert, stattdessen wurden Tyler und Josh gefeiert wie Newcomer. Dabei sind sie auch schon seit 2009 dabei.
Blurryface endet mit einem traurigen Klavierepos namens Goner, in dem Tyler deklariert, wie schwach er ist. Hoffentlich nicht zu schwach, um ein wundervolles fünftes Album zu schreiben, denn seine Lyrics sind heutzutage das, was viele Teenager am Leben erhält. Wortwörtlich.

 

The-Vaccines-1The Vaccines – English Graffiti
Empfohlen von Redheadess

Ein drittes Album ist immer eine Herausforderung. Nachdem das zweite Album meistens über die Zukunft einer Band entscheidet, kann ein irrelevantes drittes Album schnell in den Ruin führen – oder aber die Band etabliert sich richtig. Nach dem gefeierten Debüt What Did You Expect From The Vaccines und dem weniger hit-lastigen Come Of Age legen The Vaccines nun English Graffiti nach.
Was ich nach dem ersten Hören ihrer zweiten Single Minimal Affection noch als “schlechte neue Strokes” bezeichnete (mea culpa), wandelt sich beim ersten Hören in ein Eigentlich-doch-ganz-gut um. Schließlich wollte man schon beim ersten Airplay der ersten Singleauskopplung alles liegenlassen und das Tanzbein schwingen. In typischer Vaccines-Manier ist Handsome 2:21 lang und viel zu schnell zu Ende. Nach dem etwas eintönigen Minimal Affection, das ungewohnt elektronisch und vielleicht ein bisschen zu futuristisch wirkt, wird man mit dem nächsten Tanzflächenkracher belohnt: 20/20 ist gerade mal 3 Minuten lang, zischt schnell an einem vorbei, aber man klatscht automatisch mit. Vor allem live, wie die Vaccines auf einer langen Tour und unzähligen Festivals diesen Sommer gezeigt haben, kommt der Song gut an.
Auch auf dem Rest des Albums hält das erwachsen gewordene Quartett den experimentellen Kurs: (All Afternoon) In Love bringt elektronisches Gedudel unter Justin Young’s gehauchtem “I’m falling in love…” mit sich, Denial verzerrt seine Stimme fast komplett. Überhaupt scheinen The Vaccines Effektgeräte und Synthesiser für sich entdeckt zu haben, Stranger benutzt sogar Autotune. English Graffiti ist aber auf keinen Fall ein kompletter Genrewechsel: Songs wie Radio Bikini oder der Titeltrack könnten sich auch auf Come Of Age befunden haben. Ob sich diese neue Richtung aber in der Konkurrenz von so vielen anderen guten dritten Alben beweisen kann, bleibt auszutesten.

 

Viet_CongViet Cong – Viet Cong
Empfohlen von Madame Blanchard

Im Januar kamen Viet Cong mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum daher. Drei Jahre hat die Band an dem Werk gebaut. Zu Stande gekommen sind zer- und verstörende Gitarren-Effekte und Texte in Post-Punk-/Art-Rock-Manier. Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich ihres Namens wird dieses Album wohl nur das erste und letzte mit der Aufschrift Viet Cong sein.

 

12380664_977640622303367_1416882295_oWill Butler – Policy
Empfohlen von Pete Pelican

Arcade-Fire-Liebhaber wurden dieses Jahr mit der ersten Soloplatte eines ihrer Mitglieder bei Laune gehalten. Einige könnten vielleicht behaupten, dass es sich bei gerade einmal acht Songs mit einer Laufzeit von 27 min allerhöchstens um eine EP handle. Die kurze Spielzeit ist aber auch berechtigt. Der quirlige Will bringt hier jeden Song gekonnt auf den Punkt und bis auf zwei ruhige Songs (Finish What I Started, Sing to Me) geht es hier größtenteils lebhaft und tanzbar zu. Genauso wie man ihn eben mit seiner Hauptband auf der Bühne erlebt: wild und überschwänglich. Die Palette reicht hier synthielastig und experimentell (Anna, Something’s Coming) über crunchy und rau (Take My Side, What I Want) bis zu dem typischen Arcade-Fire-Baroque-Pop (Witness). Fazit: Das kürzeste Hörerlebnis des Jahres, für alle, die im Weihnachtstrubel eine kleine Aufmunterung brauchen.

 

Wolf-Alice-My-Love-Is-CoolWolf Alice – My Love Is Cool
Empfohlen von Belle Brummell

Als einer der wohlverdientesten Hypes dieses Jahres (und des letzten, um genau zu sein) lieferten Wolf Alice aus London ein atmosphärisch dichtes Debütalbum ab, auf dem sich grungige Teenage Angst so frisch anhört, als wenn die Vier sich das Genre gerade gestern ausgedacht hätten. Aber wer in einem derart jungen Alter so ein reifes Songwriting an den Tag legt, braucht das musikalische Rad nicht auch noch neu zu erfinden. Eingängige Melodien, effektive Spannungsbögen und die mal zerbrechlich hauchenden, mal furienartig kreischenden Vocals von Sängerin Ellie Rowsell komplettieren das Gesamtpaket. Und einen super Bandnamen haben die jungen Brit*innen auch noch: das Unschuldig-kindliche von Alice im Wunderland trifft auf die wilde Bestie. Eine gelungene Umsetzung der musikalischen Welt von Wolf Alice.

Live: Everything Everything + Inner Tongue in Hamburg (DE), 29.11.2015

A British band that have recently released a top 10 album with two hit singles, have played Glastonbury and Jools Holland and fill big venues in their motherland? Surely they would play a bigger venue than Hamburg’s small cult club Molotow! Well, not in the case of Manchester’s finest Everything Everything, who brought sweaty dance moves to the 300 people in the sold out venue with their futuristic electro-pop.

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(© S. Prahl)

Their support, too, was quite the entertaining act. Inner Tongue from Vienna captured the crowd with their dreamy and spacey electronic vibes, steady drumbeat and the thin voice of their frontman. Every song took you to a different dimension. The five-piece were so ecstatic and lost in their own music on stage that you didn’t really know where to look because so much was happening at the same time.

Also worth mentioning: the band had so much equipment and instruments that the stage was completely full and the band members had troubles getting on and off stage and to their respective instruments.

Everything Everything had a much cleaner stage plot. The quartet brought an extra keyboard and effects player who, let’s be honest here, had the time of his life on stage and danced harder than anyone in the crowd. The rest of the band were also in a good mood, welcoming the small and intimate feeling at the club as a nice alternative to the big arenas they fill in the UK. Especially singer and guitarist Jonathen Higgs was more talkative than I had expected and even cracked a joke about the weather. All in all the band really seemed to be enjoying what they were doing and that’s the best thing an audience can get (apart from all their favourite songs getting played, of course).

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(© S. Prahl)

Everything Everything played a set that didn’t leave you bored or your feet still for a second. Not only their hits like Regret, Kemosabe, Cough Cough or Spring Sun Winter Dread got the crowd going.

And not only the crowd but also the band themselves seemed to enjoy the concert in the small club. You would often catch them grinning at each other or making funny faces.

For the encore the band treated their fans with No Reptiles and the smash hit from their latest release, Distant Past. It was only shortly after that the four Manchester boys came out to hang with fans at the merch stand. It was nice to see that the band’s new rise to indie stardom hasn’t gotten to their heads.

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(© S. Prahl)

Live: Ezra Furman & The Boyfriends + The Blood Arm in Berlin (DE), 27.10.2015

Ezra Furman may have been around for a while, yet the Chicago songwriter has been one of my musical discoveries of the year. His third solo LP Perpetual Motion People (after three albums with Ezra Furman & The Harpoons), with its hit singles Restless Year and Lousy Connection, has become an unavoidable part of the indie radios everywhere, while his previous works flew a bit more under the radar. Maybe it’s because he’s lately been embracing pop music more fully, though not straying from his own brand of country-punk’n’roll completely and still valuing classic singer-songwriter skills; perhaps also because his appearance has become significantly more memorable: These days, the genderfluid musician usually performs in a dress, makeup and a pearl necklace.

I had not only fallen for his music, but also had gotten a hint of his great live shows via YouTube snippets. As a result I was looking forward to this gig like I haven’t often been doing lately. Also the support band was a treat: The Blood Arm, probably still best known for their ridiculously overplayed mid-00s hit Suspicious Character. Anyway, the LA-gone-Berlin group are relentlessly still around, and their glamorous indie-showtunes presented by exuberant frontman Nathaniel Fregoso somehow fit it remarkably with Ezra’s own extravanganza. Interestingly, the audience seemed to almost make a point of not particularly caring when they started playing their one big hit – it’s still too soon for 2000’s nostalgia, it seems. Or I just stood too far in the back to notice the diehard fans going down.

ezra 2 editAfter the support had finished, I managed to sneak up close to the front. The Lido was well full, but the crowd was a paradigm of laid-back-ness. No one pushed around or moshed – not that I mind that in general, but it was super relaxing to just direct your full attention at the stage and not at the people around you. Also, it’s probably quite obvious that Ezra Furman won’t pull a reckless dudebro audience. The petite singer, who had been seen standing in the crowd enjoying the set of his friends in The Blood Arm, looked like some punked-up forest fairy with green/blue hair and bright red lipstick, stomping, jumping and crouching across stage or into the audience, screaming out his lyrics like mad during punk-ier uptempo songs like 2013’s I wanna destroy myself or Tell them all to go to hell, or going all soft and gentle for the ballads such as Hour of deepest need. Without a doubt he was one of the most charismatic performers I’ve seen, who was able to draw the crowd in so completely that not one moment of boredom ensued. Of course, this was also thanks to his amazing backing band The Boyfriends, above all the incredible saxophonist who actually made you wonder why a saxophone is not a prerequisite of any rock band, that’s how awesome he was. But also the piano and guitar did a great service to shape Ezra Furman’s signature style, which is somewhere between anti-folk, garage punk, country and piano-pop. It was obvious that everyone was having a great time, both performers and audience, and Ezra seemed truly touched at the turnout. I was at the brink of bothering him with my feelings about this gig – one of my highlights of the year, clearly – when he was at the merch afterwards, but after his impressively long set had ended and I had collected my coat, it was already 12 o’clock on a weeknight and I had to avoid the shuttle service and go home the long way round, so I ended up not making a fool of myself this time.