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Live: MS Dockville 2016, Hamburg (DE)

Zum zehnten Jubiläum legte das MS Dockville sich ganz besonders ins Zeug: ein Line-Up, das in der Spitze wie in der Breite zu überzeugen wusste, ein wie immer atemberaubend schönes Gelände und die entspannte, ausgelassene Stimmung machten 2016 zu einem der besten Dockville-Jahre in letzter Zeit.

Die Acts: Von den zehn Ausgaben seit 2007 war ich bei ganzen sieben; zuletzt war es aber immer wieder das mangelhafte Line-Up bei stetig steigendem Ticketpreis, das mich von einem Besuch absehen ließ. Dieses Jahr war das Dockville ein Festival der positiven Überraschungen: Gab das Line-Up bei einem vorherigen Hördurchgang nicht viel her außer bereits bekannten Favoriten wie Foals, Bilderbuch (die ich aufgrund des Timetables nicht sehen konnte) oder Unknown Mortal Orchestra, erwiesen sich die großen Lücken in meinem Zeitplan letztlich als Segen: Acts wie Faber, Isolation Berlin oder Die Nerven gaben einen hervorragenden “Zeitvertreib” ab. Dadurch verzieh ich auch das Booking gruseliger Formatradio-Verbrechen wie Matt Corby, Frances oder der furchtbar unlustigen Klaas-Heufer-Umlauf-Band Gloria.

geländeDie Besucher: Das Dockville-Publikum ist durchschittlich etwa 20 Jahre alt, trägt genderunabhängig Blumen im Haar und Glitzer im Gesicht, sowie in 80% der Fälle einen Turnbeutel mit witzigem Spruch der Wahl auf dem Rücken. Außerdem ist es äußerst ingenieurstechnisch begabt, wenn es darum geht, ein einzigartiges Erkennungs-Maskottchen zu erschaffen, das an einem hohen Stab über der Crowd geschwenkt wird, um die eigene Freundesgruppe zusammenzuführen (Highlight: ein seifenblasenspuckender Affenkopf mit LED-Augen). Als Wahlberlinerin fiel mir zudem auf, dass alle Hinweisschilder etc. am Gelände auf Deutsch gehalten sind: Das Dockville ist trotz weiterhin steigender Bekanntheit anscheinend immer noch ein lokales Ereignis.

Die Politik: Die Hamburger AFD legte jüngst Beschwerde bei der Kulturbehörde ein, wieso man ein Festival finanziell unterstütze, bei dem angeblich linksradikale Bands wie Slime oder Feine Sahne Fischfilet auftreten würden. Als Reaktion wurde ein riesiges “Fuck AFD”-Plakat am Gelände aufgehängt. Junge Teenager, die aussahen wie die Unschuld in Person, trugen “Niemand muss Bulle sein”-Beutel oder schwenkten Antifa-Flaggen bei den Auftritten von bekennenden linken Acts wie Sookee oder eben Feine Sahne. Auch weniger explizit politische Bands machten den Mund auf; etwa Faber in seinem Besorgte-Bürger-Song Wer nicht schwimmen kann, der taucht oder Isolation Berlin, die eine Textzeile zu “Er schnauzt mich von der Seite an, ob ich nicht stolz sei auf dieses Land” änderten. Ausschreitungen, Aggressionen und sonstiges Arschlochverhalten waren meiner Erfahrung nach vollkommen abwesend vom Festival.

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Record Roulette (1): Flamingods – Majesty

Willkommen zu einer neuen Kategorie, die ich schon lange einführen wollte: Record Roulette! Wie beim Russischen Roulette weiß man nicht, was einen erwartet, denn beim Record Roulette werden Platten gehört, über die wir nichts oder fast nichts wissen. Ein Flohmarktfund, ein unerwartetes Geschenk, eine Entdeckung in der elterlichen Plattensammlung – wie in Forrest Gumps berühmter Schachtel Pralinen wissen wir nicht, was wir kriegen. Ohne mehr Infos, als die Platte selbst hergibt, legen wir sie auf und schreiben darüber, was wir hören.

Anlass zur Eröffnung dieser lang geplanten Kategorie war ein Geburtstagsgeschenk, überreicht mit den Worten “Ich habe nach Cover gekauft”. Ehrlich, gibt es eine schönere Art, Musik zu entdecken, als sich das künstlerisch ansprechendste Album-Artwork auszusuchen? Ich glaube nicht! Besagtes Albumcover ziert die Platte Majesty von Flamingods, einer Gruppe, von der ich bis dato noch nie gehört hatte. Laut eines Stickers mit Vice-Zitat macht diese “psychedelic music for the soul”. Dekoriert ist die Platte mit einer Collage aus verfremdeten Fotos und Zeichnungen: ein bunter Wald aus Blüten, Ranken und Bäumen schlängelt sich um eine Art Pavillon, in der zwei junge Menschen in bunten Trachten mit auffälligen Kopfbedeckungen sitzen bzw. stehen. In einem ovalen Rahmen zu ihrer Linken ist ein Gebäude mit spitz zulaufendem Dach zu sehen. Die untere Häfte des Bildes ziert ein großer weißer “flamingods”-Schriftzug, darüber klein der Albumtitel ‘Majesty’. Erschienen ist das Album 2016, wie die Rückseite verrät, die im selben Stil wie das Frontcover gestaltet ist und in der Mitte zwei weiße Türen mit großen Fenstern zeigt, hinter denen unten und oben Kerzen in der Dunkelheit brennen.

Die Songtitel wirken homogen, Jungle Birds und Majestic Fruit passen zum Pflanzenwald des Artworks, Gojira, Rhama und Sarangi klingen indisch und sind ebenfalls mit der Optik stimmig. Zieht man den Pappschuber mit der Platte heraus, erfährt man auch die Namen der Beteiligten, inklusive Fotos der Bandmitglieder: Kamal Rasool, Charles Prest, Sam Rowe, Karthik Poduval und Craig Doporto sind ebenso ethnisch vielfältig wie die Namen suggerieren. Produziert wurde das Album übrigens in London, was ein Hinweis auf den Wohnort der Gruppe sein dürfte (aber nicht sein muss). Außerdem findet sich ein längeres Zitat, das ich des Umfangs wegen nicht abtippen werde, von einem Evan Crankshaw, das in sehr poetischen Worten dazu auffordert, das ‘Exotische’ nicht durch Reisen in ferne Länder zu suchen, sondern stattdessen “mit den Ohren von anderen zu hören” und so seinen Verstand zu erweitern. Sehr psychedelisch eben – und noch immer konsistent mit dem Thema des Artworks. So etwas mag ich ja. Ich bin also extrem gespannt, was es nun zu hören gibt.

Die Musik setzt irgendwie plötzlich ein, aber das kann auch meinem Plattenspieler zuzuschreiben sein. Eine raue, aber nicht tiefe Leadstimme, begleitet von einer höheren Backgroundstimme, die kurz darauf den Leadvocal übernimmt, singt zu prickelnder, fließender Psychedelia, die tatsächlich etwas im weitesten Sinne “nicht-westliches” an sich hat – das wird spätestens dann hörbar als hoch jaulende Streicher einsetzen, aber auch das leichtfüßig-melancholische passt irgendwie zu dem Ambiente, welches das Cover vorgegeben hat.

Der erste Track Majesty ist schnell vorbei, der nächste, Jungle Birds ist schnell, überlaufend vor Eindrücken, der Gesang ist ruhig, während sich im Hintergrund die Musik überschlägt – es gelingt der Band hier wirklich, u.a. durch den Einsatz von Flöten, einen Eindruck von Dschungel heraufzubeschwören. Die Musik ist wild, unübersichtlich und anziehend.

Und auch dieser Titel ist im Handumdrehen wieder vorbei, und Taboo Groves setzt ein. Er ähnelt dem Vorgänger – es gibt Gesang, doch es dominieren eher die Instrumentalpassagen. Hier passiert immer noch viel, doch es wirkt nicht mehr so chaotisch, vielleicht haben sich meine Ohren auch daran gewöhnt. Die Stimme wird immer von einem oder mehreren Backgroundsängern begleitet; überragend ist der Gesang nicht, die Stimme hat zwar etwas ungewöhnliches, leicht quäkiges, aber sie steht klar im Hintergrund im Vergleich zur restlichen Musik. Der Offbeat wird effektiv eingesetzt, um gemeinsam mit ausladenden Akustikgitarrensoli eine mühe- und schwerelose Atmosphäre zu evozieren.

Auch dieser Track ist kurz, es folgt Majestic Fruit, mit einem sanften, an plätschernde Wasserfälle erinnerndem Intro voll eingestreuter Effekte, die einem immer noch das Gefühl geben, durch einen üppigen Dschungel zu stromern. Auch hier werden unübliche Instrumente eingesetzt, um das in dem Zitat auf der Rückseite angesprochene “Exotische” heraufzubeschwören. Wie “exotisch” das für die Bandmitglieder mit ihrem jeweiligen kulturellen Hintergrund nun wiederum ist, wäre eine andere interessante Frage. Die Musik schwillt langsam an, es wird darübergemurmelt, doch nicht richtig gesungen, die Stimme wird zum Instrument, anstatt sich hervorzutun. Weiterhin sind Flöten, Rasseln, Trommeln zu hören, und als würde ein Feuer erlischen, ist auch dieser Song urplötzlich zu Ende.

Mit Anya kommt nun der letzte Song der ersten Seite. Auch dieser setzt ruhig ein, im Hintergrund hört man Stimmen, die von einer Aufnahme zu kommen scheinen und offenbar nicht Englisch sprechen, doch es ist schwer zu sagen. Dann kommen Gesänge, die an Naturvölker denken lassen, bevor der übliche englischsprachige Gesang einsetzt. Auch dieser Track gleich sich musikalisch den Vorgängern an, er ist aber sehr gediegen, episch, mehr Struktur und weniger Chaos. Die Percussions lassen mich an den Genre-Begriff “tropical” denken. Das leichtfüßige Plätschern des Beats steht im Gegensatz zu der dominanten gedehnten und schwermütigen Streichermelodie. Immer mehr Layer legen sich übereinander, zwei Melodien spielen nun gegeneinander an. Nun erinnert das Ganze an das Unwort “Weltmusik”, was ich nicht wertend in Bezug auf die Musik meine, das Wort habe ich nur mangels eines besseren Einfalls eingeworfen; es sind jedenfalls kaum mehr westliche Einflüsse zu hören. Die Musik schrumpft zusammen, die Sprachaufnahmen übertrumpfen sie und verschwinden schließlich im Rauschen; die erste Seite ist vorbei.

Seite Zwei beginnt wild, fröhlich; wieder regiert das Chaos. Unter der dominanten Melodie werden parallel noch mehrere andere gespielt. Dann bricht das Ganze weg, um den Beat in den Vordergrund zu stellen, doch kurz darauf geht es wie gehabt weiter. Gojira scheint ein Instrumental zu sein, bei dem die Gitarren zum Jaulen gebracht werden. Dieser Track ist wohl der bisher psychedelischste, mit jeder Menge altbekannter Effektpedale, und sehr starken Drums, denen manchmal fast alleine die Bühne überlassen wird. Sie schwellen rauschhaft an, irgendwann hört man Rufe, die Gitarren setzen wieder ein, das Ganze wirkt jetzt eher wie eine Jagd durch den Dschungel auf LSD. Immer wieder ertönen Soundeffekte, die an den Schrei eines Vogels o.ä. denken lassen – die dichte Atmosphäre bleibt. Dann tröpfelt der Song aus – auch dieser kürzer als im Genre üblich.

Rhama folgt als nächstes. Die Gitarren brummen tief, lassen sich Zeit, hier wird man nicht mit Reizen überflutet. Auch der Gesang ist zurück, lässt sich in die Musik fallen. Bisher ist diese Seite deutlich klassischer psychedelisch als die andere, auch der getragen-eintönige Gesang, den man so schon oft bei Genrekollegen gehört hat. Bei der nächsten Instrumentalpassage werden die Klänge wieder höher und schriller, weg vom Altbekannten und wieder näher am Stilmix der ersten Seite. Diese Passage zieht sich hin, ich freue mich, als der Gesang wieder einsetzt. Er ist so verfremdet, dass er auf einer Ebene mit der Musik liegt und sich nicht in den Vordergrund spielt. Der Song scheint mir bisher der längste, doch auch er findet sein Outro, das wieder sehr dschungelhaft und verspielt klingt.

Sarangi setzt mit Trommeln ein, klingt wirklich am deutlichsten indisch von allen Tracks bisher – der englische Gesang wirkt fast deplatziert. Ohne ihn könnte man hier auch traditioneller Musik lauschen, so erscheint es mir als Laien auf diesem speziellen Gebiet. Nach einer Weile wird der Gesang sehr langsam, während im Hintergrund noch immer atemberaubend schnell getrommelt wird und allerlei Melodien durcheinander wirbeln. Hier wird eine gekonnte Hochzeit des psychedelischen Parts mit der traditionelleren indischen Musik gefeiert.

Eine Pause – ist dies möglicherweise der nächste, und letzte Track, Mountain Man? Ich vermute es, denn der musikalische Bruch ist deutlich zu hören. Dieser Song treibt nach vorne, erinnert mich auf einmal an traditionelle irische Musik – was auch ein legitimer Einfluss wäre, natürlich. Wieder verschwindet der Gesang beinahe im vielfältigen Gewirr der Musik, aber eine dominante Melodie ist klar zu erkennen. Den Dschungel höre ich jetzt nicht mehr, dafür grüne Felder und fließende Bäche, aber das mögen meine eigenen Assoziationen sein. Wobei Mountain Man, der Titel, den geografischen Wechsel schon andeutet, und die irischen Klänge bilde ich mir gewiss nicht ein – die Musik wird immer schneller und vermischt sich mit Rufen, wie man sie oft bei Volkstänzen hört. Ein überraschender Ausklang der Platte, der zum ersten Mal mit dem vorherrschenden Thema bricht. Der Gesang hört ebenfalls auf und überlässt uns ganz dem imaginären Volksfest. Nun hat auch dieser Track seine Längen, doch kaum ist das niedergetippt, verlangsamt er sich und bereitet sich auf das Ende vor, das in Form einen letzten langgezogenen Tons kommt.

Fazit? Erst einmal ist das eine unglaublich intensive Art Musik zu hören und auch zu rezensieren, die ich sicher nicht zum letzten Mal gemacht habe. Vor allem, da ich gerade nach neuer Inspiration lechze. Die Platte von Flamingods bietet auf jeden Fall interessante Genrebrüche, und ihre tiefe Verbundenheit zu östlichen Klängen wurzelt offensichtlich auch in der Herkunft der Bandmitglieder, es ist also kein musikalischer “Tourismus”. Eine Platte zum Nebenbeihören ist es nicht, dafür ist sie zu anstrengend; sie fordert Aufmerksamkeit. Vielleicht etwas zu chaotisch für meinen eigenen Geschmack, aber gleichzeitig bewundere ich ihre Fähigkeit, Konzentration herauszufordern, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und sich nicht mit Hintergrundgeplätscher zufriedenzugeben. Die größte Stärke ist aber auf jeden Fall das gekonnte Heraufbeschwören von Szenerien, Orten und Situationen, die beim Hören im Kopf entstehen, als würde man sie selbst erleben. Das geschieht gerade durch das Zurücknehmen von Vocals zugunsten von vielfältigen, oft gegeneinanderlaufenden Instrumenten und Melodien, den Einsatz von Soundeffekten und Verfremdungstechniken. Diese Platte sprudelt vor Leben und scheint sich in ihrer Kreativität keine Grenzen zu setzen. In meinen Augen ein gelungener, aber auch herausfordernder Ausritt aus dem Psychdelic-Genre.

Q&A: Telegram

The 5th of May was Ascension Day, it felt like the first day of summer and everyone had BBQ at the park. Except us – we were sitting in a bar next to the train tracks of the U1 interviewing Matt Saunders, the singer of UK newcomers Telegram. Later that evening the London based fourpiece would have their second German gig ever after the Munich debut the night before. Despite of the weather there was a decent amount of people who didn’t want to miss this historic event.

Telegram just released their debut album Operator in February featuring their hit single Follow amongst other rough, catchy, punkish songs. With this record they fulfilled the high expectations the debut single had set. Live on stage it wasn’t hard for them at all to recreate the unpolished sound of the record and they played a tight and fast paced set.

During our talk with Matt we got a glimpse of the creative process behind both their music and the accompanying art and visuals.

You just released your first album Operator. We noticed that it sounds almost like a live recording, very raw and unpolished. How did this decision come about to record it that way?

We recorded it on a boat down Docklands, which has a studio inside of its hull. Rory Atwell, our producer, has a quite “live” style anyway. Being a live band, we kind of wanted that energy on the album. It would have felt strange to people who have seen us play before to have a polished album, that wouldn’t feel right. When you release your first record, you’re still at a stage where you need to get people to come to your shows and check you out, so I think it should be a sample of what you’re like as a live band.

Were you consciously trying to find a middle ground between having a lot of rawness and noise on the one hand and quite catchy, accessible melodies and guitar parts on the other hand?

Yeah, you’ve got to be careful and find the right balance. When we write songs we start with an initial structure that is based on a simple melody and then we add noise and effects… I think if you start the other way around it’s not really working.
I love a lot of good pop as long as it’s real and you can believe the person that it’s coming from. As a band you are constantly told that you need to have one or two songs which will get you on the radio, which is the only way that you will get booked for festivals as well. You have to think on a different level about what you’re doing. We are trying not to let it get to us but it’s still how things work.

What are your thoughts on how the second album is going to sound like? Anything about the debut album that you want to depart from?

The first record is fast, it has a lot of pace in it. A lot of the new songs we are writing at the moment have that as well, but we don’t want to make a complete follow-up to the first record. We want it to be quite different, to be a little groovier in its tempo.

There is definitely a big consistency between your sound and your visuals. We noticed that all your music videos have the same intro for example. What’s the concept behind it?

I’ve got a VHS camera that we shot the first video for Follow on and I had a clear idea in my head how I wanted it to look. I used to work at a location for photography and film, which had two rooms with wooden panels on the walls. One was cream white and the next one was black, so we would do the same set up and click from one room to the other.
The credits in front were also made with that VHS camera. It has a controller where you can type in the credits and they come up on the TV screen, then you have to make sure that everything in the room is dark to film the TV screen. The problem is, if the thing breaks… (laughs) So I’m trying to copy all the letters so if it did happen we could just cherrypick letters digitally and pop them in … though it’s cheating a bit.

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Matt Saunders ©Nora Lee
Speaking of technology – you named your band Telegram and your album is called Operator. Is there a background to it, such as a retro technology theme?

Yeah, I think this aesthetic has a sort of dystopian, sci-fi theme – things like Kurt Vonnegut and J.G. Ballard, that imagery is quite attractive to me. The name “Telegram” came about four years ago, when I was looking at a newspaper which had a list of releases for record store day. I was just circling words that would be good for a band name, and there was a re-release of Telegram Sam by T-Rex. When that word came up it just felt good, satisfying in a way.
Operator was going to be called Telegram originally, which was lazy. We would always talk about calling it like a constellation or some other spacy thing… The name Operator came about because I was working on the artwork at the time and using a telephone as the basic back of the record as a theme – a telegram is being sent via a telephonic machine that you would press certain numbers on. This was maybe a day before we had to decide the title. As I was going through images of buttons on the telephone, one of them just sat staring at me, it said “Operator” and I thought “Ah, that’s perfect!” That sums up a lot of things that we’re about.

So you also did the artwork yourself?

Yeah, I went to art college for like four years and art is still a hobby of mine. I’ve also got a little studio space. For me the idea of somebody else doing the artwork is like getting another person to buy a birthday present for your girlfriend or boyfriend, giving them a couple of ideas what they’re into and then they go off and buy something for them. But if you find somebody to collaborate with that you can really trust then that’s worthwhile and I’m totally up for that. I mean there’s limits and boundaries and at some point I’ll have to get help, maybe.

Let’s talk about the lyrics a little. Do you focus on telling a story or is it more abstract…?

I imagine a lot of the lyrics are rather sentiments, as opposed to stories, in the same way that you might feel angry or upset or interested or bored or in love or whatever it is you’re feeling, and of course there is a story about it, and then I abstractly write about it.
There are so many lyrics that are just a repetition of the same themes and lines, about love or missing someone or this or that… It’s just not very original, so I try to be more abstract to make it interesting. I’m a big fan of Leonard Cohen for example. He’s really good at creating lines of abstraction, and then there is one line that is really straightforward and very simple which ties it all together and gives it a meaning, before it goes back to strangeness again.

Do you put personal experience into your lyrics as well?

Definitely. There will be one line that’s very specific to something from experience, and the next will be more of a general feeling about time, or space … it’s quite mixed up.

We read that you crowdfunded your album. Is that something you would do again?

I mean, it was really hard work but at the same time – it worked. We had a record deal with Sony but after nine months of nothing happening, it fizzled out, and then we went that way instead. Initially I was a bit skeptical, I didn’t like the idea of crowdfunding. To me traditionally, growing up, that’s not how a band puts a record out. But actually I think the simple method of a fan buying a record upfront – paying for the record before it’s been made – is a really clever way to do it, because you’re not asking for anything more than the cost of the record you would pay for anyway, it’s just reversing the order in which it happens. And if we did it with a label they would take 80% and we would have 20%, of control over things as well. All of that nonsense disappears. I would recommend it, and we would do it again.

Best of 2015

Unsere 30 Lieblingsplatten des Jahres, sorgfältig ausgewählt vom indie pen dance Team und alphabetisch sortiert.

 

12366742_1315832198439177_624127064_nA Place To Bury Strangers – Transfixiation
Empfohlen von Polinomdivision

This year’s release by the iconic A Place To Bury Strangers, Transfixiation, is a conclusive continuation of their previous work. The record itself is a highly variable mix of sounds, from less supressed vocals and clearer separation among the instruments like on Straight in the style of Total Control, to the extreme noisy lo-fi whatever as heard on I will die, that also marks quite a good and impressive ending of the longplayer. Inbetween there is a huge package of hunting, explosive, catchy, post-punk-shoegaze-noise-styled and intense sounds. Well I guess not songs but sounds is the most accurate description for the content of Transfixiation and the whole achievement of APTBS in total, since the whole experience of their music is focused on everything put together. So this unique combination of impressions is more precisely described as a sound, the very special ATBS sound. All in all again, same as their previous presentations, the most recent one is very engaging, athmospheric and melancolic and the band themselves are badass live performers who maintain a habit for smashing their instruments on stage. Well, highly recommended on every occasion.

 

12399091_1315986231757107_1434684654_nAusmuteants – Mates Rates 7″
Empfohlen von Polinomdivision

Ausmuteants’ this year 7-inch release contains, next to the catchy and quite to the point single Mates Rates, a cover version of the legendery 80s hit Echo Beach by Martha and the Muffins. The interpretation of the song is recognizable as their own. From time to time the voice doesn’t seem to fit so well though and it gets too screamy but all in all it’s a good listen. The wave-punks in the manner of Lost Sounds and Digital Leather are excellent at mixing musical styles in their own productions. Snotty garage voices are combined with synthie sounds. At least two decades of music meet in the recordings of the young band. Impressive, indeed.

 

12375461_977640335636729_1234226921_oBeach House – Depression Cherry
Empfohlen von Pete Pelican

Rechtzeitig läuteten Beach House dieses Jahr mit ihrem bereits fünften Album die Herbstsaison ein. Wie man es schon von den Vorgängern gewohnt ist, bekommt man erneut melancholisch verträumte Songs mit lieblichen Melodien, die die 5-Minuten-Marke kaum unterschreiten und allesamt mit der zärtlich schwelgerischen Stimme Victoria Legrands vorgetragen werden. Das Ganze klingt sogar noch einen Ticken schwermütiger als bisher, was wohl daran liegt, dass hier noch mehr effektgeladene Gitarren und Synth-Flächen übereinander gelegt wurden. Teilweise gibt es dieses mal sogar verzerrte Gitarren zu hören (Sparks). Das reduzierte Schlagzeug bzw. Drumpad und die immer wieder ruhigen und zurückhaltenden Momente sorgen aber stets dafür, dass es nie zu überladen klingt. Wer also mal wieder eine Runde träumen möchte, Licht aus und Musik an! Fazit: Das entspannteste Album des Jahres.

 

10543109_989038364466589_1143384651_nBilderbuch – Schick Schock
Empfohlen von Edgar Storch

Diese Band macht einfach nur Spaß. Wenn die strammen Buben von Bilderbuch auf die Bühne gehen und mit ganz viel Homoerotik die Mädels verrückt machen, bleibt keine Achsel trocken und es tut sich schon mal ein Mosh Pit in der dritten Reihe auf. Aber ob ich dieses Album jetzt als Mädchen-Musik klassifiziere oder als Progressive-Art-Electro-Rock, bleibt dir überlassen. Ob du dieses Album in fünf Jahren noch hören wirst, kann ich dir genauso wenig prophezeihen. Doch sicher bin ich mir, dass du Silvester, gekleidet in feinster Seide mit einem Softdrink in der Hand, hemmungslos dazu abdancen wirst. Denn dieser Schick Schock kommt mit einer freshen neuen Blondierung daher, die sich gewaschen hat und lässt jeden Barry Manilow wild zu jedem auskomponierten Takt das Becken schwingen. Ich sag es laut: Maurice, ich bin hinter deinem Hintern her.

 

the-bohicas-the-making-of-e1439765648831The Bohicas – The Making Of
Empfohlen von Belle Brummell

Das (zumindest von mir) langersehnte Debütalbum der Bohicas knüpfte wie erwartet da an, wo Vorabsingles wie XXX und Swarm aufgehört hatten, nicht jedoch ohne ein paar Überraschungen aus dem Hut zu ziehen, etwa die 60s-lastige Popverliebtheit von Only You oder das dramatisch-intime Red Raw. So gut wie jeder Song ist ein Treffer, dennoch fehlt dem zackigen Indie-Rock im bewussten Retro-Gewand (noch) eine eigenständige Linie. Am ehesten bemerkt man eine solche, wenn die Gitarren in latent düsteren Tracks wie den genannten Singles in höchsten Tönen kreischen, im Chorus von Swarm in einem genialen Zug einen akustischer Bienenschwarm aufheulen lassen. Die Texte jedoch bleiben trivial und voller Platitüden – durch diese inhaltliche Oberflächlichkeit ist das Album zumindest leichte Kost, deren simple Texte sich in kürzester Zeit mitgrölen lassen. Vom Talent her ist die Band durchaus in der Lage, eines Tages den einen, großen Hit zu schreiben – um eine große Band zu werden, vermisst man bei Sänger Dominic McGuiness (übrigens der Bruder von Eugene, der es wiederum in unser Best of 2012 schaffte) – so routiniert er sich auch in seiner Rolle gibt – zu sehr sowohl das stimmliche Charisma als auch die persönliche Ausstrahlung, die bei einem Frontmann so unverzichtbar ist.

 

Courtney_BarnettCourtney Barnett – Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit

Empfohlen von Madame Blanchard

Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit” – damit kann ich mich identifizieren. Eine bunte Tüte aus Alltags-Geschichten, -Faszinationen und -Diskursen hat uns die Australierin da ausgegeben. Klasse!

Empfohlen von Pete Pelican

Mit einer Leichtigkeit hat sich die 28-jährige Australierin dieses Jahr mit ihrem Debütalbum in die Herzen etlicher Musikfans, zu einem Support-Slot von Blur und zu den Grammys gespielt. In einfache Melodien gepackt, singt sie mit ihrer gelassenen, unaufdringlichen Stimme kreative, witzige und ironische Texte über ihren Heimatvorort in Sydney, Essgewohnheiten oder Erlebnisse im Schwimmbad. Das Album strahlt eine Unbeschwertheit aus, dass man gleich alles stehen und liegen lassen will, um einfach nur dieser wunderbaren Songsammlung zu lauschen. Fazit: Bestes Debütalbum des Jahres.

 

12398297_914331801989227_857865894_oDrenge – Undertow
Empfohlen von Annie May

Nach ihrem gefeiertem Debütalbum 2013 und exzessiven Touren meldeten sich Drenge nur zwei Jahre später mit ihrem zweiten Album zurück. Undertow ist nicht so wild, so ungebürstet wie sein Vorgänger. Es ist Drenge mit einem Feinschliff, was sich gut durch das schnieke Hochglanz-Cover erkennen lässt. Für dieses Album holten sich die Loveless-Brüder noch den Bassisten Rob Graham ins Boot, der besonders auch live eine wertvolle Addition zur Band ist. Im Allgemeinen wirkt das Album düsterer und auch mystischer, trotz der ersten draufgängerischen Single We can do what we want. Das versteckte Highlight von Undertow ist jedoch der vorletzte Song Standing in the cold, welcher tief unter die Haut geht.

 

12375616_914331788655895_282851401_oEverything Everything – Get To Heaven
Empfohlen von Annie May

Die Band aus Manchester veröffentlichte dieses Jahr ihr drittes Album unter dem Namen Get to heaven, welches sie zwar nicht in den Himmel, dafür aber in die Dauerrotation der englischen Radiosender und auf die Bühnen der großen Festivals brachte. Die verdiente größere Aufmerksamkeit ist vor allem den beiden Hits des Albums, Distant Past und Regret zuzuschreiben, aber auch der Rest des Albums ist ein sehr stabiler Grundbau. No Reptiles und Spring/Summer/Winter/Dread sind nicht unter den Teppich zu kehren.

 

Ezra-Furman-Perpetual-Motion-People1Ezra Furman – Perpetual Motion People
Empfohlen von Belle Brummell

Mit Perpetual Motion People veröffentlichte der gerade mal 28-jährige Ezra Furman bereits sein sechstes Album in neun Jahren. Auf diesem umarmt er große Pop-Chorusse und bindet sie in seine einzigartige Mischung aus rumpeligem Country, Punk-Einflüssen und lupenreinen Singer-Songwriter-Momenten ein. Trotz der alles überstrahlenden Singles Restless Year und Lousy Connection, die den US-Amerikaner endgültig aus dem Underground herauskatapultierten, liegen die wahren Highlights versteckter: Hour of Deepest Need etwa, diese brutal ehrliche Ballade, auf der Furmans einzigartig-schräger Gesang von unglaublichem Schmerz zeugt („Sometimes the wound hurts powerful indeed / But sometimes you just got to let that sucker bleed“). Aber auch die jüngste Single und Body-Positivity-Hymne Body Was Made ist hervorzuheben, nicht nur wegen ihrer Message, sondern auch aufgrund eines fantastischen Saxofon-Solos, das live noch tausendmal besser ist. Überhaupt ist Furman thematisch am Puls der Zeit – die Songs auf Perpetual Motion People drehen sich um Gender-Identitäten, Politik und Depressionen, sie machen Spaß und berühren. Und live spielen er und seine Band The Boyfriends sowieso in der allerersten Liga.

 

12375732_977640385636724_2121305996_oFidlar – Too
Empfohlen von Pete Pelican

Mit ihrem zweiten Album schlossen Fidlar dieses Jahr direkt an ihr Debütalbum an. Sprich: Es geht genauso ausgelassen und ungezähmt heiß her wie man es gewohnt ist. Vorpreschende Drums, durchgeschrammelte Gitarren und Texte übers Feiern, Saufen und Wochenende, aber auch Herzschmerz. West Coast ist praktisch der Nachfolger von No Waves und sowieso schreit dieses Album danach, alles hinzuschmeißen und durchzudrehen. Der perfekte Start ins Wochenende und das perfekte Sommeralbum des Jahres 2015.

 

FoalsCoverFoals – What Went Down
Empfohlen von Pete Pelican

Neben Jamie xx’s In Colour definitiv einer meiner Favoriten dieses Jahr. Foals schaffen es tatsächlich immer wieder, einen mit jedem neuen Album zu überraschen und umzuhauen und am Ende kann man sich trotzdem nicht entscheiden, welches man nun am besten finden soll. Bei diesem Album kommt praktisch alles zusammen, was bei den vorangegangen Alben schon überzeugte. Die klimperhaften Melodien, vorantreibenden Drums und groovenden Basslines, die so gut wie in jedem Album herausstechen, dazu die Melancholie von Total Life Forever und die rohe Gitarrengewalt von Inhaler und Providence, die hier in der Vorabsingle What Went Down und in Snake Oil ihren Höhepunkt erreicht. Mit dem Arctic-Monkeys-Produzenten James Ford haben sie sich außerdem genau den richtigen Mann ins Studio geholt. Dieser sorgt hier für eine kraftvolle und glasklare Produktion. Jetzt das ganze noch live erleben! Fazit: Das bombastischste Album des Jahres.

 

12394505_977639908970105_335967170_oGengahr – A Dream Outside
Empfohlen von Pete Pelican

Bei der Band Gengahr handelt es sich um vier junge Londoner Jungs, die es dieses Jahr schafften, aus der Masse der britischen Newcomer-Bands herauszustechen und sich deshalb auch schon die Bühne mit Alt-J teilten. Ein erfrischend neuer Gitarrensound mit Funk- und Grunge-Anleihen trifft hier auf eine faszinierende hohe mitreißende Gesangsstimme. Alles poppig und eingängig arrangiert, aber trotzdem speziell, wandern die groovigen Songs übers Ohr in den Kopf und direkt in die Füße. Dark Star gehört zu den besten und tanzbarsten Instrumental-Songs, die ich in letzter Zeitt gehört habe. Textlich gesehen sprudelt das Album zwar nicht an Überkreativität, aber wer brauch das schon bei solch schöner Eingängigkeit. Fazit: Beste Neuentdeckung des Jahres.

 

f371291856251ba998e049fa457c5ad7.600x600x1Halsey – Badlands
Empfohlen von Redheadess

Ashley Frangipane alias Halsey ist noch nicht mal 21, als ihr Debütalbum Badlands im August die Regale und Charts erobert. Badlands schafft es in den US-Albumcharts auf Platz 2 und in Deutschland immerhin in die Top 40.
Von ihren Texten auf ihr Alter zu schließen, wäre fatal. Badlands ist ein wütendes, episches, junges, wildes Gesamtwerk. Es ist sexy, unzähmbar, bildgewaltig und gleichzeitig verletzlich. New Americana beispielsweise kommt mit seinen “Aaahs” und Mädchenchören daher, mit seinen Zeilen über US-Teens im 21. Jahrhundert. Bilder von Cheerleadern, dreckigen Schulhöfen, ersten Autos und illegalen Hauspartys kommen in den Sinn, nur um von der Reife und Schwere von Songs wie Drive, Roman Holiday, Colors und Coming Down zerstört zu werden: Tracks über weitaus erwachsenere Themen wie Drogenmissbrauch und Sex in Autos. Überhaupt ist Geschlechtsverkehr ein wiederkehrendes Thema in Halseys Songwriting, aber ohne zu obszön zu werden. Es ist subtil, aber es ist da.
Badlands ist ein Electropop-Album, kommt jedoch mit einer Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit, das Feld aufzumischen, wie man es zuletzt bei Lorde gesehen hat. Mit keinem Song von Badlands würde man Menschen zum Tanzen bringen, aber das ist auch gar keine Priorität. Album an, Kopfkino. Wenn das Album jedoch endet… dann ist er da, der Ohrwurm. Diese unauffälligen Zeilen von Ghost, Halseys erster Single und gleichzeitig dem letzten Track auf dem Album. Mit einem unglaublichen Musikvideo, was mindestens genauso lange im Gedächtnis bleibt wie der Refrain.
Halsey arbeitet jetzt schon an einem zweiten Album, aber erstmal kommt eine lange Tour, die sie im Frühjahr 2016 auch nach Berlin bringt.

 

12386595_1316066048415792_1994703095_nThe Hex Dispensers – III
Empfohlen von Polinomdivision

The third LP by Austin trio Hex Dispensers, III, released on Alien Snatch Records, is a well done piece of work. Well, it’s more like a hit machine to word it more precisely. Every song could easily be released as a single. Their style of clear vocals combined with melodic punk sounds mixed with female vocals is a fine product. Check it out.

 

938748_977640462303383_558059624_oHealth – Death Magic
Empfohlen von Pete Pelican

Nach 6 Jahren Abwesenheit und einem Videogame-Soundtrack kehrten Health dieses Jahr mit ihrem dritten Album Death Magic in ihr gewohntes Milieu zurück. Wieder geht es sehr verschroben und bizarr zur Sache. Verträumte Shoegaze-Passagen werden kontinuierlich mit ohrenbetäubenden, effektüberladenen Noise-Passagen gebrochen. Darüber schwebt die gehauchte und verhallte Stimme von Sänger Jake Duzsik. Wem das jetzt schon zu komplex und ungewohnt klingt, dem sei aber trotzdem der Song Life zu empfehlen. Wer hätte gedacht, dass zwischen dem ganzen unheimlichen Noise so ein luftiger, leichter, ja fast schon sommerhittauglicher Song mit direkt im Kopf hängen bleibender Melodie zu finden ist. Und eventuell hört man sich ja doch noch rein. Fazit: Aufregendstes Album des Jahres.

 

1612977_977640202303409_278134000_oJamie xx – In Colour
Empfohlen von Pete Pelican

Für mich die Überraschung des Jahres. Als Fan von gitarrenlastiger Musik hätte ich nicht gedacht, jemals ein fast ausschließlich elektronisches Album zu meinen Favoriten zählen zu können. Sicherlich spielt hier der xx-typische Sound eine Rolle, allerdings geht es hier bedeutend farbenfroher zu. Zu den bekannten Drumpad-Sounds, die die Beat-Grundlage liefern, gesellen sich wummernde Bässe, die einem teilweise den Boden unter den Füßen wegreißen. In jedem Song gibt es so viel wunderschöne neuartige Sounds zu entdecken, sei es nur die kleinste Melodie die vor sich her säuselt und für eine ganz bestimmt Atmosphäre sorgt. Von Beginn bis Ende wird man hier durch verschiedene Gemütszustände geführt. Will man zu Beginn noch ausgiebig zu Gosh feiern, wird man mit Seesaw schon in eine Art verträumten Schwebemodus versetzt, der in Stranger In A Room seinen Ruhepunkt erreicht. Danach noch ein wenig Gänsehaut versprühende Romantik mit Loud Places, bevor man mit Good Times wieder in den nächsten Club gezerrt wird und am Ende mit dem epischen The Rest Is Noise und Girl erstaunt entlassen wird. Fazit: Das abwechslungsreichste Album des Jahres.

 

Kurt_VileKurt Vile – B’lieve I’m Goin Down…
Empfohlen von Madame Blanchard

Die Gitarre steht ganz klar im Mittelpunkt dieser Blues-Country-R&B-Kombi. Kurt Vile hat für mich mit diesem Album im September die Herbst-Melancholie eingeläutet, auf eine sanfte und wohlige Weise. Man fühlt sich aufgehoben, aufgenommen unter einer warmen Roots-Sphäre und ist bereit “einen Gang runter zuschalten” um wieder aufzublühen.

 

The Maccabees_Marks To Prove It_album artworkThe Maccabees – Marks To Prove It
Empfohlen von Redheadess

Nachdem sie sich drei Jahre in ihrem kuscheligen Studio einschlossen und bis auf ein paar Sommerfestivals und DJ-Sets nicht viel von sich hören ließen, haben die Maccabees dieses Jahr einen lang ersehnten Kracher rausgehauen. Schon bei der Vorabsingle Marks To Prove It, die zugegebenermaßen wohl der schnellste Song auf dem gleichnamigen Album ist, ließ sich ein großer Schritt in Richtung Festivalheadliner erkennen. Nachdem die meisten Songs auf dem dritten Album Given To The Wild (2012) nicht wirklich livetauglich – da zu experimentell – waren, kann man das Gleiche nicht von ihrer 4. LP behaupten. Schon vor Albumrelease bekamen einige bei Liveauftritten einen Vorgeschmack: neben Marks To Prove It, das mit seinem aufregenden Tempowechsel und Kampfschrei am Anfang viel wilder als alles zuvor daherkommt, darf das Publikum bei Something Like Happiness in romantische “Oooh”-Chöre einstimmen, kriegt bei WWI Portraits und Spit It Out wegen Orlando Weeks’ ungewohnter Aggressivität Gänsehaut und wippt melancholisch zum ruhigeren Kamakura mit. Letzteres hat sich mittlerweile zum Fan-Liebling entwickelt und klingt fast noch schöner in einer der zahlreichen Akustik-Versionen, die die Maccabees in mehreren Sessions gespielt haben.
Marks To Prove It ist Elephant & Castle gewidmet, dem touristen-untauglichen Stadtteil in Südlondon, in dem die Maccabees ihr Studio haben. Es ist nicht der schönste Ort in London, ein bisschen dreckig und gruselig, gleichzeitig kurz vor der Gentrifizierung, aber wichtig für die Menschen, die dort wohnen und arbeiten und die Elephant & Castle lieben gelernt haben. Das Albumcover ziert ein Denkmal, das Faraday Building, was bei Tageslicht noch lange nicht so schön aussieht, wie wir es auf dem 4. Album erleuchtet zu sehen bekommen.
Die Songs, die man bis zum Release noch nicht live erleben konnte (und auch jetzt auf der Bühne eine Seltenheit sind), reihen sich teilweise nahtlos in das Konzept ein und könnten doch interessanter nicht sein: River Song kommt plötzlich mit Kazoo daher, Silence wird, anstatt von Sänger Weeks, von Gitarrist Hugo White gesungen und ist so zerbrechlich, dass man kurz Tränen schlucken muss, Dawn Chorus klingt genau wie sein Name: ein himmlischer Chorgesang als perfekter Abschluss für ein vollkommenes Album.

 

Die_NervenDie Nerven – Out
Empfohlen von Madame Blanchard

Die Nerven, bestehend aus den Stuttgarter Herren Knoth, Rieger und Kuhn, haben im Oktober mit ihrem dritten Album “Out” eingeschlagen. Der Bass und die Macht der Worte reiben sich mit einer brachialen 80er-Noise-Geräuschkulisse bis hin zur Ekstase im Detail. Das ist genialer Post-Punk – mannigfaltig auf den Punkt gebracht. “Inmitten der Leere. Hinter Raststätten versteckt. Deine Stimme, die wie Teer die Straßen bedeckt.” (Barfuß durch die Scherben). No Love Lost.

 

12395485_914331785322562_362234860_nSchnipo Schranke – Satt
Empfohlen von Annie May

In der deutschen Musikszene war diese Platte wohl eins der am gespanntesten erwarteten Debütalben. Die beiden ehemaligen Studentinnen der klassischen Musik, die jetzt unter dem Namen Schnipo Schranke vorlautes Teenie-Klavier-Kabarett machen, hatten mit der Single Pisse schon heiß auf sich gemacht. Das Album tropft nur so von ähnlichen Songs, die allesamt von Themen wie Verliebtsein, Sex oder Betrunkenheit in der Karibik handeln. Und dies ist auch ein kleines Manko an der Platte: Was sie einst so frisch und anders machte, wird auf dem Album schnell langweilig, da es zu einseitig ist. Erfolgreich sind sie trotzdem.

 

12367033_914331778655896_990037136_nSlaves – Are You Satisfied?
Empfohlen von Annie May

Slaves, das Punk-Duo aus Kent, sind eine verdammt geile Live-Band. Das haben sie inzwischen oft genug bewiesen. Ihr erstes Album Sugar Coated Bitter Truth erhielt nicht so viel Aufmerksamkeit, die bekam die Band eher durch Supportslots von namenhaften Acts. Ihr zweites Album war da erfolgreicher, besonders durch die vielen frühen Single-Auskopplungen wie Hey, The Hunter oder Cheer up London. Dadurch klingt vieles auf dem Album beim ersten Durchhören schon bekannt. Doch sind die Singles nicht die einzigen starken Songs auf dem Album, Do Something und Live like an animal können dort auf jeden Fall mithalten. Das Album ist gut, kommt aber nicht an die intensive Live-Show der Band ran.

 

GD30OBH.pdfSummer Twins – Limbo
Empfohlen von Belle Brummell

Ich weiß nicht, was es über mich aussagt, dass ich bei dem Albumtitel Limbo zuerst an die Vorhölle und dann an den Tanz denken musste, und das obwohl das Schwesternpaar Chelsea und Justine Brown sich auf dem Cover bewusst – und trügerisch – niedlich gibt. Beide Interpretationen des Namens haben jedenfalls ihre Berechtigung: Seinen garagig-angehauchten Indie-Pop garniert das Duo aus der Burger-Records-Familie mit zuckersüßen 50s/60s-Melodien, Handclaps, Off-Beats und sonnig-kalifornischer Leichtigkeit. Und singt über Damönen, Geisterbeschwörungen und Echte-Welt-Bedrohungen wie Zukunftsangst oder manipulative Beziehungen. Angenehm “normal” wirken die beiden nicht nur durch die generationstypischen Themen und nachfühlbaren Texte, sondern auch durch ihre authentisch ungeschulten Stimmen und kindischen Musikvideos. Dabei verfolgt das zweite Album der grundsympathischen Band eine klare musikalische Linie und überzeugt auch in Sachen Songwriting mit eine ganzen Ladung Ohrwürmer.

 

12394347_977640518970044_1158196315_oTame Impala – Currents
Empfohlen von Pete Pelican

Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer, dass man dauerhaft davon überrascht sein kann, was Kevin Parker da jedes mal alleine in seinem Kämmerlein zusammenschustert. Das dritte Album steht dem Vorgänger Lonerism in nichts nach. Zu dem typisch psychedelischen Klangspektrum gibt es zusätzlich allerhand berauschende Synthesizer aus vergangenen Jahrzehnten. Deshalb ist dieses Album wohl mehr Disco als Rock’n’Roll. Die typischen Elemente wie die markant stampfenden Drums und groovig puckernden Basslines, sowie der unvergleichbar schimmernde Gesang sind natürlich trotzdem wieder mit von der Partie. Allein schon das episch dahinfließende Let It Happen verdient hier eine Extra-Auszeichnung. Fazit: Das funkelndste Album des Jahres.

 

Tess_ParksTess Parks & Anton Newcombe – I Declare Nothing
Empfohlen von Madame Blanchard

Zusammen mit Tess Parks hat Anton Newcombe (Brian Jonestown Massacre) ein Album produziert, dass musikalisch an The Velvet Underground & Nico und Konstellationen wie Serge Gainsbourg & Jane Birkin erinnert. Kratzt sowohl stimmlich als auch textlich am Nerv der Zeitlosigkeit.

 

12387802_977639975636765_1518116271_nTocotronic – Das Rote Album
Empfohlen von Pete Pelican

Den einen oder anderen mögen sie ja mit ihrem neu eingeschlagen Weg, alles etwas pompöser und glatter zu gestalten, nicht ganz überzeugt haben. Aber sind wir mal ehrlich, es war der einzig richtige Weg und mich haben sie damit erst recht überzeugt. Und bei all dem hin und her sind es immer noch klar und deutlich Tocotronic. Die lyrische Poesie Dirk von Lowtzows springt von einem Höhepunkt zum nächsten und gehört wohl mit zu dem besten, was deutschsprachige Musik zu bieten hat. Synthesizer und neue Gitarreneffekte fügen sich perfekt ins tocotronische Klangbild ein, was man sich aber am besten selber in Die Erwachsenen oder Sie irren anhören sollte. Melodien und gewisse Textzeilen bleiben auch direkt im Gehörgang kleben. Fazit: Beste Bandentwicklung des Jahres.

 

pre-release-theories-of-twenty-one-pilots-album-blurryface-379184Twenty One Pilots – Blurryface
Empfohlen von Redheadess

Ich gebe es zu: ich habe versucht, mir Twenty One Pilots anzuhören, ohne auch nur irgendwas über sie zu wissen. Das war naiv. Wenn ich gewusst hätte, dass mich Rap erwartet, hätte ich es vielleicht gar nicht erst versucht. Car Radio von ihrem 2013er-Album Vessel gibt mir so gar nichts. Dann, dank Radio 1, höre ich plötzlich Tear In My Heart von ihrem vierten Album und es ist um mich geschehen. Kein Stück klingt dieser Song nach dem, was ich gehört habe. Viel zu melodisch, zu pianolastig, zu happy. Genau, wie ich es mag. Kann es etwa sein, dass ich den beiden Jungs aus Ohio keine Chance gegeben habe? Sie verdienen also eine zweite. Was mich erwartet, muss ich noch immer verarbeiten. Blurryface ist ein wilder Mix aus Rap, Hiphop-Beats, Elektro, Pop, Stadionrock, Reggaelectro (kein Witz!), Ukulele, Zeilen zum Mitgrölen, zu schnellen Lines, traurigen Klavier-Tracks, Gangvocals, und über all dem Tyler Josephs brilliantes Songwriting. Blurryface ist die Art Album, vor dem man sitzt und verzweifelt. Unmöglich können all diese Songs von der gleichen Band stammen. Wie kommen diese plötzlichen Breakdowns zustande? Wie zur Hölle kann dieser Kerl so schnell rappen? Und warum bekomme ich eine Gänsehaut?
In den USA ist schon vor Jahren angekommen, was für eine besondere Band wir hier vor uns haben, aber hier spielen die beiden trotzdem (noch!) die kleinen Venues.
Während ihr selbstbetiteltes erstes Album noch klang wie ein von My Chemical Romance geschriebenes Musical und die Nachfolger-Alben teilweise die selben Songs in verschiedenen Versionen beinhalteten, ist Blurryface ein Gesamtwerk, das man nicht beschreiben kann. Selbst die Band will sich genretechnisch nicht festlegen.
Kaum ist man mit Heavydirtysoul überrollt worden, mit Josh Duns ultraschnellen Drumbeats und noch schnelleren Zeilen wie “This is not rap, this is not hip hop”, kommt Stressed Out hinterher, weitaus softer, aber nicht weniger hiphop-lastig. Danach wird man mit dem ominösen Reggaelectro begrüßt – ein Begriff, der Ride allerdings auch nicht wirklich gerecht wird. Sagen wir lieber, es ist genau der Song, den ihr auf einem Festival in der untergehenden Sonne hören möchtet. Glaubt mir. Aber es ist nicht alles besorgniserregend: Tracks wie Tear In My Heart und Not Today kommen mit fröhlichem Piano-Geklimper und Fingerschnipsen daher – und Zeilen, die zu lang sind, um sie in ein Albumreview zu schreiben, aber einem den Tag versüßen, wenn man drüber schmunzeln muss.
Zu We Don’t Believe What’s On TV und The Judge wird die Ukulele herausgekramt, die “Nanana”s, die “Ohohohoh”s und die “Yeah yeah yeah”s. Zwischendurch immer wieder Zeilen über das böse Musikbusiness, die auch eifrig dieses Jahr bei den MTV VMAs vorgetragen wurden. Hat sich keiner drüber gewundert, stattdessen wurden Tyler und Josh gefeiert wie Newcomer. Dabei sind sie auch schon seit 2009 dabei.
Blurryface endet mit einem traurigen Klavierepos namens Goner, in dem Tyler deklariert, wie schwach er ist. Hoffentlich nicht zu schwach, um ein wundervolles fünftes Album zu schreiben, denn seine Lyrics sind heutzutage das, was viele Teenager am Leben erhält. Wortwörtlich.

 

The-Vaccines-1The Vaccines – English Graffiti
Empfohlen von Redheadess

Ein drittes Album ist immer eine Herausforderung. Nachdem das zweite Album meistens über die Zukunft einer Band entscheidet, kann ein irrelevantes drittes Album schnell in den Ruin führen – oder aber die Band etabliert sich richtig. Nach dem gefeierten Debüt What Did You Expect From The Vaccines und dem weniger hit-lastigen Come Of Age legen The Vaccines nun English Graffiti nach.
Was ich nach dem ersten Hören ihrer zweiten Single Minimal Affection noch als “schlechte neue Strokes” bezeichnete (mea culpa), wandelt sich beim ersten Hören in ein Eigentlich-doch-ganz-gut um. Schließlich wollte man schon beim ersten Airplay der ersten Singleauskopplung alles liegenlassen und das Tanzbein schwingen. In typischer Vaccines-Manier ist Handsome 2:21 lang und viel zu schnell zu Ende. Nach dem etwas eintönigen Minimal Affection, das ungewohnt elektronisch und vielleicht ein bisschen zu futuristisch wirkt, wird man mit dem nächsten Tanzflächenkracher belohnt: 20/20 ist gerade mal 3 Minuten lang, zischt schnell an einem vorbei, aber man klatscht automatisch mit. Vor allem live, wie die Vaccines auf einer langen Tour und unzähligen Festivals diesen Sommer gezeigt haben, kommt der Song gut an.
Auch auf dem Rest des Albums hält das erwachsen gewordene Quartett den experimentellen Kurs: (All Afternoon) In Love bringt elektronisches Gedudel unter Justin Young’s gehauchtem “I’m falling in love…” mit sich, Denial verzerrt seine Stimme fast komplett. Überhaupt scheinen The Vaccines Effektgeräte und Synthesiser für sich entdeckt zu haben, Stranger benutzt sogar Autotune. English Graffiti ist aber auf keinen Fall ein kompletter Genrewechsel: Songs wie Radio Bikini oder der Titeltrack könnten sich auch auf Come Of Age befunden haben. Ob sich diese neue Richtung aber in der Konkurrenz von so vielen anderen guten dritten Alben beweisen kann, bleibt auszutesten.

 

Viet_CongViet Cong – Viet Cong
Empfohlen von Madame Blanchard

Im Januar kamen Viet Cong mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum daher. Drei Jahre hat die Band an dem Werk gebaut. Zu Stande gekommen sind zer- und verstörende Gitarren-Effekte und Texte in Post-Punk-/Art-Rock-Manier. Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich ihres Namens wird dieses Album wohl nur das erste und letzte mit der Aufschrift Viet Cong sein.

 

12380664_977640622303367_1416882295_oWill Butler – Policy
Empfohlen von Pete Pelican

Arcade-Fire-Liebhaber wurden dieses Jahr mit der ersten Soloplatte eines ihrer Mitglieder bei Laune gehalten. Einige könnten vielleicht behaupten, dass es sich bei gerade einmal acht Songs mit einer Laufzeit von 27 min allerhöchstens um eine EP handle. Die kurze Spielzeit ist aber auch berechtigt. Der quirlige Will bringt hier jeden Song gekonnt auf den Punkt und bis auf zwei ruhige Songs (Finish What I Started, Sing to Me) geht es hier größtenteils lebhaft und tanzbar zu. Genauso wie man ihn eben mit seiner Hauptband auf der Bühne erlebt: wild und überschwänglich. Die Palette reicht hier synthielastig und experimentell (Anna, Something’s Coming) über crunchy und rau (Take My Side, What I Want) bis zu dem typischen Arcade-Fire-Baroque-Pop (Witness). Fazit: Das kürzeste Hörerlebnis des Jahres, für alle, die im Weihnachtstrubel eine kleine Aufmunterung brauchen.

 

Wolf-Alice-My-Love-Is-CoolWolf Alice – My Love Is Cool
Empfohlen von Belle Brummell

Als einer der wohlverdientesten Hypes dieses Jahres (und des letzten, um genau zu sein) lieferten Wolf Alice aus London ein atmosphärisch dichtes Debütalbum ab, auf dem sich grungige Teenage Angst so frisch anhört, als wenn die Vier sich das Genre gerade gestern ausgedacht hätten. Aber wer in einem derart jungen Alter so ein reifes Songwriting an den Tag legt, braucht das musikalische Rad nicht auch noch neu zu erfinden. Eingängige Melodien, effektive Spannungsbögen und die mal zerbrechlich hauchenden, mal furienartig kreischenden Vocals von Sängerin Ellie Rowsell komplettieren das Gesamtpaket. Und einen super Bandnamen haben die jungen Brit*innen auch noch: das Unschuldig-kindliche von Alice im Wunderland trifft auf die wilde Bestie. Eine gelungene Umsetzung der musikalischen Welt von Wolf Alice.

Festival Season 2015: Lollapalooza Berlin (DE)

The first European Lollapalooza looked to be a success: The two-day festival on Berlin’s defunct Tempelhof Airport –former site of the Berlin Festival– sold out shortly before opening its gates on September 12th. And that despite raising its ticket price quite spontaneously to 139 Euros, making it more expensive than e.g. the Hurricane Festival, which lasts three days and offers camping. Of course, Berlin’s Lollapalooza differs in size from its Chicago counterpart: Four stages instead of seven, two days instead of three, a capacity of 50,000 instead of 160,000. Obviously the headliners Muse and Macklemore were not exactly Metallica and Paul McCartney (Lolla’s 2015 headliners) either, but still it was an overall good line-up (especially if you had only paid the early bird price like myself).

Show women walking on stilts across the festival site
Show women walking on stilts across the festival site

Apart from the music programme, Lollapalooza attempted to stand out from the German festival landscape by offering a special kids’ area, a ‘fun fair’ (with showmen, can knock down and a glitter make-up stand where you could queue for hours), a ‘Grüner Kiez’ (green neighbourhood) with charity and environmental stalls, and something they called ‘Fashionpalooza’, which turned out to be one (1) sponsor stand by a fashion online shop.

One of many games of skill on the fun fair.
One of many games of skill on the fun fair.

While the ‘Kidzapalooza’ was clearly embraced by the visiting families and the special kids’ tickets sold out as well, I still don’t really see why it has to be encouraged to drag your little child along to an event like this. It’s loud, people there get drunk and ruthless and throw things, and crowds are generally not a safe place for children. I think festivals should allow the audience to “go wild” without having to fear that they might trample on a child.

I suppose enough has been written about the disastrous  water-pipe burst which led to insanely long toilet queues on Saturday, and about the insanely long food queues as well, so I won’t linger on and finally get to the musical performances.

Colour-coded goodness: Everything Everything.
Colour-coded goodness: Everything Everything.

After a quite strenuous procedure of trying to enter the festival site at the same time as thousands of other visitors, we caught some glimpses of Joywave and Parquet Courts, the former sadly having to replace the dropped-out San Cisco, who I’ve never seen and was really looking forward to. The first band we actually watched, though, were Manchester’s Everything Everything, who I’d lost track of a bit despite quite liking their 2010 debut albumIt turned out their third and latest LP had spawned at least two venerable hits, Regret and Distant Past, and they were drawing a reasonably sized crowd as well. As ever, the quartet appeared in matching stage outfits – luckily these ones were a step up from the beige overalls I saw them perform in the last time. Like any good girl group’s outfits, these ones were not uniform but differed in details. The set was good fun and the perfect way to open our festival, the crowd was into it and even though I only recognized two of their early songs, I could also dance to the rest of them.

I saw James Bay while passing the main stage and was surprised he didn’t sound whiny and instead really ‘rock’, knowing him only from his detestable radio hit Hold Back The River and for being a shameless Jamie N Commons cosplayer. Also a 3 pm slot seemed kind of shitty for a successful bloke like him, but that was only one of many weird running order decisions.

MS MR did not, however, match their outfits in advance.
MS MR did not, however, match their outfits in advance.

Up next for me were MS MR, a New York electropop duo that I completely missed out on until I heard their melancholic 2012 song Hurricane on the radio quite recently and instantly liked it. Unfortunately I hadn’t listened to anything else by them, and didn’t know virtually all of their tracks were apparently lively, upbeat 70s/80s style synthpop. The members Lizzy Plapinger and Max Hershenow were both extremely outgoing and self-confident and danced around crazily in their 70s/80s glitter outfits. I didn’t even know they had a huge following as well. Unfortunately I had to leave right before they were about to play that one song that I knew, which would maybe have made me enjoy at least a little bit of their set.

Then we attempted to get food. Oh my. I thought there was enough time – like 45 minutes – until Hot Chip would start. In the end, I missed almost their entire set queuing. There were tons of food stalls really, but it just wasn’t enough for 50,000 people (who couldn’t just go to the non existent campsite and make some canned ravioli). Hot Chip also had a really shitty 5 pm slot, which made me feel a bit sorry for them, but I can’t really talk about their set because I spent the rest of it sitting on the floor eating. (It should be mentioned that even the headliners already started at 9:30 pm, as the curfew was 11 pm due to noise reasons, so I suppose there was little other choice than cramming even high profile acts into the afternoon.)

Ron Mael (70) of Sparks showing Franz Ferdinand's Nick McCarthy and Paul Thompson that he's got the moves.
Ron Mael (70) of Sparks showing Franz Ferdinand’s Nick McCarthy and Paul Thompson that he’s got the moves.

Finally, FFS, the supergroup consisting of Franz Ferdinand and Sparks, formed one of my personal festival highlights. I have to admit I didn’t know Sparks before at all, and I did not expect the two members to be 66 and 70 years old – which one would never have thought, with how agile both of them still were on stage. Singer Russell Mael looked like an aged emo kid, only really cheerful, in a funny looking poncho, while his brother Ron Mael sat stoically behind his keyboard just to suddenly get up at one point and perform crazy dance moves. Franz Ferdinand, on the other hand, don’t seem to have aged a bit, physically, since appearing on the scene 10 years ago, and with the self-titled FFS album they have once again proven themselves incapable of writing a bad song. Their stage performance was fun as ever, be it four of them playing a keyboard at once or inviting the crowd to tell the person next to them to “Piss off” when the track with the same title came on. They even performed a few songs from the respective bands, which were especially celebrated by the crowd.

I then tried to watch some of Chvrches‘ set but I only knew ca. two songs – one of which I also saw – and quickly lost interest, trying to find a toilet instead and almost freaking out at the size of the queues (but it was possible to sneak into the broken ones and use them, because security was apparently unable to block access to them).

Deichkind crowdsurfing in a giant barrel.
Deichkind crowdsurfing in a giant barrel.

Of course we couldn’t miss out on Deichkind, the Hamburg hiphop/electro collective known for their spectacular live shows. It was already the third time I saw them perform at a festival and they never disappoint, whether presenting perfect boygroup-style choreographies, dressing up as old ladies, wearing Daft Punk like LED helmets or giant brains (to illustrate song title Denken Sie groß – ‘think big’) or surfing the crowd inside a giant barrel waving a “Refugees Welcome” flag and wearing sweatshirts with the same slogan (which are also sold in their online shop to support refugee aid organisations). The themes in their music range from dumb party-and-booze songs to criticizing the status quo, the latter being done quite cleverly in recent hits Denken Sie groß and Like mich am Arsch, however trying to fashion an entire song out of advertising slogans and then declaring that ‘We only want your money’ is kind of like the musical equivalent of Banksy.

Finally our Satuday ended with The Libertines, who had to play the third-biggest stage for some reason – presumably because the Main Stages 1 and 2 were so close together that the sound would have interfered even more than it already did (halfway through the set Carl Barât asked if ‘those German hiphoppers’, meaning Deichkind, were still playing, as he had probably heard Macklemore & Ryan Lewis all the way from Main Stage 1). The Libs had had to cancel their previous two gigs due to health issues – they later released a statement that Pete Doherty had suffered an anxiety attack – and indeed the scandal-ridden singer seemed a little unfocused for someone who is allegedly clean, so he might have been on meds. Also his microphone was turned off for large parts of the gig, so often one would only hear the crowd chanting along. They mostly dismissed their new album Anthems For Doomed Youth, their first in 11 years, which had only come out the previous day, making this their first gig since the release. Their comeback single Gunga Din, however, was celebrated just as frenetically as classic hits such as Time For Heroes, Boys In The Band or Can’t Stand Me Now. Due to the set being obviously packed with bangers like these, their performance was one big party, with a very dedicated crowd singing along loudly despite the competition of the headliner playing at the same time (but then again I doubt their fanbase intersects much with that of Macklemore).

After all three final acts ended at exactly the same time, the entire festival attempted to leave the site to either get home or to somewhere where you could party. Of course, the underground stations got blocked and an atmosphere of hopelessness spread. Somehow we managed to get to the next crossing and escape in a bus, but it was clear the organisers had not put any thought at all into how to get everyone away from the festival site. For Sunday it looked like there would be shuttle buses to replace the U-Bahn, but I had still prepared routes of getting home with the help of regular buses, as it would take years to try and get on one of the train service replacement buses anyway.

On Sunday the toilet situation had been resolved, and we got food quite early on so I only needed to get a snack later for which I didn’t have to queue so long. Unfortunately the running order for Sunday left us with hours of nothing to do (apart from watching Stereophonics or something), and the lone fashion stall had run out of colours to design gym bags with, so we couldn’t even burn time on that.

Wolf Alice opened the Main Stage on Sunday.
Wolf Alice opened the Main Stage on Sunday.

Our day had begun with Wolf Alice, who I’d seen previously at the Libertines’ 2014 gig at Hyde Park long before their album was released. Knowing most of their songs now, it was definitely more fun. The stage presence of the young Londoners was still quite timid but their grungy sound and singer Ellie Rowsell’s witch-like screams definitely made it an interesting experience.

Belle and Sebastian's Stuart Murdoch had fans dancing on stage.
Belle and Sebastian’s Stuart Murdoch had fans dancing on stage.

After a long period of doing nothing much, we headed over to Belle & Sebastian, a band that I had never seen, but that I appreciate in a  kind of passive way because the amount of albums they’ve put out is too intimidating for me to really start listening through them. The Glasgow collective, which has been around for two decades, definitely turned into a highlight for me despite not really knowing any songs. But singer Stuart Murdoch’s stage presence was so endearing and their calming, cute indie pop simply matched the sunny afternoon perfectly. At some point Murdoch decided to get a female fan on stage to dance with him, and then continued to bring at least a dozen people up there who all seemed to be having the time of their life. He also talked quite a lot, among other things about how embarrassed he was that the UK didn’t take in any refugees.

Afterwards the Beatsteaks were on, a popular Berlin band who play punk-infused rock with English lyrics. I watched most of their set from the ‘Grüner Kiez’ area, which offered stacked pallets with grass on top and flowers growing in the bottom, allowing you to sit on them and still watch the Main Stage 2 sets on the screens. And sitting was definitely necessary whenever possible after  standing/walking almost for the entirety of Saturday. The Beatsteaks are famed for being a great live band, but I’m kind of indifferent towards them so I didn’t feel like moshing in the crowd. I could however enjoy their set as I recognised most of their songs.

Due to lack of alternatives (the only other option really being Sam Smith, another of those abominable radio people taking away slots that could be filled with like actual good acts), we ended up watching Little Dragon next, a quite crazy Swedish indie-electro act, but I didn’t know anything by them and their flashy live show didn’t really convince me at all.

Again due to lack of alternatives, we then attended Seeed‘s set, another hugely famous Berlin act playing dancehall with mostly German lyrics. I have to admit that while I never cared about their music, they put on a really good live show. The three frontmen were accompanied by a large brass band, the sound was great and they threw in some clever cover versions/remixes – e.g. their own Berlin anthem Dickes B to the tune of Justin Timberlake’s Sexy Back – that really spiced the thing up.

"I love big black balls." - Ariana Grande
“I love big black balls.” – Ariana Grande

I left Seeed’s set earlier so I would have enough time to queue for toilets before Muse came on, but somehow I didn’t have to queue at all and ended up sitting in front of the main stage for over 20 minutes. Well at least I could see a little bit of the stage like this and not just the screens… Muse is another tricky band for me. I mean, I could have watched Tame Impala, who for inexplicable reasons were playing at the same time despite target groups definitely intersecting, and many fans being mad about this, but I had seen them several years ago, other than Muse who I’d been waiting to see since 2005 or 2006, so I had to take that chance. In the ten years since, I had however gradually lost all interest in them as their musical quality seemed to steadily decline. But as they are famed to be such a great live band, of course I had to form my own opinion. At first, I have to admit I was a little underwhelmed; partly for sure because I didn’t know a lot of songs, but also because in my opinion there are many major bands who put on a just as good light show (but maybe a festival gig isn’t comparable to their own headline show). Well, that was before they let the toilet paper rain down on us (actually just long strips of white paper, along with a bunch of confetti, but it looked awesome). And let loose gigantic black balloons into the crowd. And this massive crowd singing Our Time Is Running Out and Starlight. I will still hold up that Muse are not a ‘better’ live band, show-wise, than say The Flaming Lips or Deichkind. But it was definitely fun to have seen them once, and I will surely meet Tame Impala a second time in my life. So in the end I stayed for Muse’s entire set, and then hurried to that bus stop where I managed to get on one that was less than half full, because apparently no one wants to go west anymore, and got home by a super long detour, but I was glad I had made it at all.

Despite some organisational mishaps, I still think the festival itself was neat (at least for the early bird price I paid), but not so great that I would blindly buy a ticket for next year. In parts the line up was too mainstream for me, but this can be said for the US Lollapalooza as well. Still a good alternative to the completely-gone-electro Berlin Festival.

Live: Pale Honey + Light FM in Berlin (DE), 09.04.2015

On a Thursday night, I was drawn to the lovely Schokoladen in Berlin-Mitte, a small, cosy and very reasonably priced cultural centre off polished Torstraße. Being a good place to discover new or underground artists in a small setting, the venue had two promising indie bands on that night: Pale Honey, a grunge-y girl duo from Sweden, and LA indie-pop trio Light FM.

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© D. Prahl

Curiously, the former were playing second, the ‘headliner’ spot, despite not even having an album out (their debut is scheduled for May 5th), while Light FM have been around since ’99, putting out five albums in their career. But apparently, hype beats longevity in the minds of the bookers. With their Fiction EP and latest hit single Youth, Pale Honey have definitely gained some attention for the upcoming self-titled debut album. Light FM, meanwhile, were touring their recent Pointless EP, which had some catchy, shoegaze-y tracks to offer. The trio, comprised of Josiah Mazzaschi on guitar and vocals, Nicki Nevlin on bass and Alexa Brinkschulte on drums, played an enjoyable set of synth-heavy indie-pop full of strong melodies.

The club only really filled up when Pale Honey came on, though. Which was a shame because personally I liked Light FM’s set much better. Despite the strong singles they had put out, Pale Honey’s show seemed lifeless, the music bland and interchangeable. I tried to listen for a few tracks, but eventually decided to call it a day and leave early. The rest of the audience didn’t seem to mind – maybe it just wasn’t my kind of music.

Live: Bilderbuch in Berlin (DE), 20.03.2015

Mit dem Bilderbuch-Gig im ausverkauften Astra Kulturhaus schließt sich für mich ein Kreis: Immerhin war es ebenfalls in Berlin, als ich im Jahr 2009, damals noch als Touristin, in eine Indieparty mit Liveband stolperte, und die Geschichte ihren Anfang nahm. Auf der Bühne des (alten) Magnet standen ein paar österreichische Buben mit dem ausgesucht bescheuerten Namen Bilderbuch, die aber sehr zackigen Indierock mit deutschen Texten spielten, ganz im Geschmack der damaligen Zeit. Irgendwie, und das hat sicherlich mit diesem ganz besonders bescheuerten Namen zu tun, habe ich sie nie vergessen. Drei Jahre später spielen sie, inzwischen mit Album Nr. 2, auf dem Hamburger Dockville Festival, und klingen plötzlich existentialistisch und experimentell. Noch zwei Jahre später und sie machen diese unglaubliche EP, deren Name “Feinste Seide” ab dann Programm ist: Man legt sich eine Rich-Kid-Persona zu, singt ausschließlich über Lamborghinis, Pool-Partys und Bling Bling, und das alles zu einem funkigen Beat, der auf einmal mehr R’n’B ist als Indie-Rock. Wieder sieht man sich in Hamburg, diesmal auf dem Reeperbahn Festival. Im Publikum ein Haufen Teenies, der “Maschin” kreischt. Die Band souverän und umwerfend wie nie, aber ob dem offensichtlichen Teenie-Appeal doch eher eine “Guilty Pleasure”. 2015 dann kommt das Album, “Schick Schock”, mit mehr Exzess, mehr Sex, mehr Dolce Vita. Plötzlich sind sie in jeder Musikzeitschrift des Landes, und jede ist voll des Lobes. Man ist sich einig: So cool hat deutschsprachige Popmusik lange nicht mehr geklungen, vielleicht noch nie.

Als ich das Astra betrete, um Bilderbuch ein viertes Mal live zu sehen, erwarte ich zumindest einige Teenager, aber ich weiß auch, dass man sie auch als erwachsener Musikhörer jetzt mögen “darf”. Zu meiner Überraschung sehe ich ausschließlich sehr gut angezogene Yuppies und Hipster, die augenscheinlich sehr selbstzufrieden damit sind, heute hier zu sein. Weiter vorne dümpeln sicher ein paar obligatorische Vierzehnjährige herum, aber davon kriegt man in der hinteren Hälfte nichts mit. Ich komme ins Gespräch mit einem Wiener, der mir versichert, dass alle Wiener tief im Innern abgrundtief böse sind. Es ist schwer zu glauben, wenn man die vier Mitglieder von Bilderbuch auf der Bühne sieht. Das liegt vor allem an dem überbordenden Charme von Frontmann und Alleinunterhalter Maurice Ernst, der mit seinen Witzeleien, dramatischen Handbewegungen und Hinterngewackel den anderen Mitgliedern die Schau stiehlt, wenn er nicht gerade sinnliche Gitarrenduette mit Bandkollege Michael Krammer spielt oder jener sich für seine Soli verdienten Szenenapplaus abholt.

Die Setlist umfasst das komplette, sensationelle “Schick Schock”-Album – eine verständliche Entscheidung, enthält die Platte doch nicht einen einzigen schwachen Track –, wobei die Stücke der “Feinste Seide” EP – der Titeltrack sowie “Maschin” und “Plansch” – mit Abstand am meisten abgefeiert werden und die Yuppies in Bewegung versetzen und zum Mitsingen animieren. Aus den vorigen beiden Alben werden “Calypso”, “Karibische Träume”, “Ein Boot für uns”, “Joghurt auf der Bluse” (zu meinem Entzücken) sowie “Kopf ab” (als Zugabe) geboten – immer noch deutlich mehr, als ich erwartet hätte, und auch die Crowd reagiert besser als gedacht. “Moonboots”, der “Feinste Seide”-Hidden Track, ist leider seit dem Reeperbahn-Auftritt aus der Setlist verschwunden, bei der Qualität der Stücke aus dem neuen Album ist das aber mehr als zu verschmerzen.

Nach dem Auftritt hole ich mir am Merch noch die frisch auf Vinyl veröffentlichte erste Platte, die leider eine ungewöhnlich miserable Soundqualität aufweist (vermutlich wurde sie damals einfach so aufgenommen). Aber zumindest schließt sich damit der Kreis noch schöner. Fast so schön wie in diesem Artikel 😉

indie pen dance presents: DNA BLN #2

We are proud to be among the presenters for Berlin’s art & music showcase event DNA BLN, which hosts its second edition on March 26 at Magnet Club.

DNA BLN is dedicated to bringing together different artistic communities. The event offers a stage for new performers, showcasing six artists from different genres like electro, rock and singer-songwriter as well as a selection of DJs. The music is accompanied by visual, multimedia and art installations, such as the reinterpretations of famous album covers done by the collective Stattlab.

We give away 1×2 guestlist places for DNA BLN #2 on March 26. To enter, send an e-mail with the subject “DNA BLN” to
indiependance (at) hotmail (dot) com. Don’t forget to include your full name! Competition closes on March 24.

As a music fanzine, we are naturally most excited for the music lineup, which offers a range of upcoming acts to discover. Read on for a short overview of the six live acts.  Full information on the programme can be found on the official Facebook event page.

The opener of the night is Berlin-based triphop act Metryk, who released their critically acclaimed debut EP late last year. Combining a warm tingling sound with the melancholy of dark days and the spheric vocals of singer Hanna they achieve a thick and organic sound reminiscent of acts such as Portishead.

Up next is Candice Gordon, an Irish singer and songwriter who also lives in Berlin. She has released an EP and several singles gaining much attention for her dark twist on folk music and  her outstanding voice. At DNA BLN Candice Gordon will perform tracks from her upcoming debut album.

The next act is Lion Sphere, who are actually from Berlin (they say). The fourpiece band formed in 2013 and play a fusion of indie with thumping electronic elements and heavy hip hop grooves. Their calm, spheric and multi-layered sound and vocal effects place them at the intersection of various genres, opening their music to a range of audiences.

We Love Machines are a Swiss electronic duo. Timo Loosli and Daniel Werder are well-known for their breathtaking shows featuring a live drummer. After releasing their debut album and a follow-up EP as well as lots of remixes, We Love Machines just put out their brand new Salt EP,  combining their signature machine wizardry and raw power with some hat tips to grand masters of electronic music.

Swedish rock’n’roll act RIDEAU are in charge of the heavier part of the night. Gabriel Öbergs raw and soulful vocals and Carl Magnus Palms ripping guitars create a metallic thunder in the shape of punk to come. Their songs are about ecstasy, emergency and death and promise to shake the audience up.


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are a live electronic band  from Berlin, formed in 2014 by former members of electro-punk band Aniaetleprogrammeur and drummer Christopher Chartrand (Crystal Castles). Their music is a mix of psych, grunge, dance and punk with shards of thumping beats and razor guitar that provoke manic and brutal dancing.

You can also listen to all the acts on DNA BLN’s Spotify Playlist.

Live: Warm Graves in Berlin (DE), 03.03.2015

On this Tuesday night, a significant number of spectators had been drawn to the Kantine next to Berlin’s famous nightclub Berghain to experience Warm Graves live. The 200 capacity place was well filled with mostly young and stylish people eager to see the Leipzig threepiece bring their dark, haunting and other-worldly space-rock to the stage. The most important question for me personally was how and whether they would recreate the distinctive choir vocals heard on the 2014 debut album Ships Will Come, but also of course what their show would be like in terms of visuals and performance.

The atmosphere was largely a detached one, with the audience listening attentively and the band never addressing them with a single word, perhaps not even a glance. Instead they were fully focussed on the drums, keys and guitar setup, with the vocals being provided by the guitarist and altered to create that faraway sound. Still the effect on the recordings was not achieved and perhaps intentionally so. Instead the live setting added a more raw and emotional quality to the vocals, making them sound pained and honest rather than ethereal and bodiless like on the album. This gave their music an interesting twist.

The small club did not allow for a massive light show of course, but the backdrop was still illuminated by psychedelic projections that went well with the music. It was noteable how absorbed the audience seemed, without moving much; everyone was so concentrated that from where I stood I never saw a single smartphone in the air, which is very untypical these days but perhaps this is a first indicator that constant filming and photographing are becoming a no-go, finally. In the end I almost felt bad taking a mandatory picture to go with this review.

To conclude, I was glad to have seen them live because I found the album fascinating in many ways and was intrigued to see their live performance in comparison. However, it could have been more emotionally gripping if the band had not been this introverted, but of course not every musician has an outgoing stage presence. In this way they seemed to match their audience and the atmosphere was a rather intellectual one and not so much about letting yourself go to the music.

Q&A: Cold Acid

Es ist Dienstag, als wir vor dem Pooca auflaufen. Zusammen mit zwei anderen Bands spielen Cold Acid aus Berlin heute Abend in der kleinen Bar auf dem Hamburger Berg. Die drei Jungs machen teilweise seit Schulzeiten zusammen Musik. Ihr tanz- und mitgrölbarer Indierock lässt jeden auf die Tanzfläche strömen, und das alles quasi im Selbstmanagement. Cold Kids Don’t Need Agencies, oder so. Wir landen also mit Daniel, Christopher und Eric beim Italiener, um uns bei Pizza und Bier zu unterhalten, untermalt von den ewig sich wiederholenden Klängen von “Time To Say Goodbye”. Irgendwie ironisch. Wir lernen uns doch gerade erst kennen.

Sänger Daniel, der eigentlich meistens bei Interviews nicht reden darf weil er immer Quatsch erzählt, blüht heute ganz besonders auf. In der nächsten halben Stunde erfahren wir, wie man Bandmitglieder per Bestechung rekrutiert und warum die Jungs nie mit Scooter touren würden, aber dafür gerne mal mit Helene Fischer.


IPD: Fangen wir mal von vorne an: Wie habt ihr euch überhaupt kennengelernt, seit wann gibt es euch?

Daniel: Eric und ich sind zusammen zur Schule gegangen. Ich hab damals schon Musik gemacht, seit ich 14 war, und Eric hat Schlagzeug gespielt. Immer wenn ich mit meiner damaligen Band nicht geprobt hab – weil unser Schlagzeuger sein letztes Geld für doppelt frittierte Hühnchenbrust ausgegeben hat, anstatt sich Sticks zu kaufen – haben Eric und ich dann geprobt. Wir kommen eigentlich aus Brandenburg, haben dort unsere erste Band gegründet, sind dann beruflich bedingt nach Berlin gezogen und haben unsere Band in Brandenburg verlassen. Das hatte für uns auch keine Zukunft musikalisch. Wir wollten beide weitermachen, mussten aber feststellen, dass wir keine Leute finden. Lustigerweise haben wir mit unserer alten Band auf einer Anti-Nazi-Demo gespielt, wo auch Christopher mit seiner Band gespielt hat. Der war zumindest Fan von uns, weil wir Turbonegro gecovert haben und er eine Turbojugend-Jacke anhatte. Auf der Suche nach einem Gitarristen ist Eric und mir dann nur noch Christopher eingefallen, der komischerweise sogar bei mir um die Ecke gewohnt hat. Und dann haben wir uns mal zu dritt getroffen, mit zwei Gitarren und ‘nem Schlagzeug.

Christopher: Ich wurde mehr oder weniger dazu genötigt!

Eric: Wir haben uns auf einem Konzert getroffen und haben ihm ganz viel Bier gekauft.

Christopher: Gaaanz viel Bier! Dann hieß es so: ‘Ja, du hast auch Bock auf so Schweinerock?’ Ich wurde mega abgefüllt und auf einmal hieß es: ‘Hey, hast du nicht Bock bei uns in der Band zu spielen?’

Eric: Das war der erste Abend, wo wir zu dritt unterwegs waren. Wir waren aber bei Myspace connected und haben uns auf ‘nem Hellacopters-Konzert getroffen. Und ich glaube, dann haben wir auf der Warschauer Brücke auf dem Rückweg vom Konzert darüber gequatscht.

Daniel: Auf jeden Fall haben wir dann versucht, weitere Leute für die Band zu finden, weil wir keinen kannten. Übers Internet war blöd, so ziemlich jeder, der sich da reinstellt, hat eine verzerrte Selbstwahrnehmung von sich als Musiker. Irgendwann saßen wir in einer Kneipe, schon mächtig einen im Tee, und haben gesagt: Wir haben jetzt ein Jahr lang nach ‘nem Bassisten gesucht, das geht so nicht weiter. Dann wurde halt entschieden, wer von uns Gitarre spielt. Die Wahl ist auf mich gefallen und Christopher musste sich einen Bass kaufen. Hat er dann am nächsten Tag gleich, für 70€ auf eBay.

Daniel: Beim Gesang war es dann halt so, dass jeder mal probiert und der, bei dem es am wenigsten scheiße klingt, der macht es dann halt. Vor unserem ersten Konzert hatten wir sechs eigene Nummern und wollten einfach mal gucken, wie es so wird. Und wir hatten noch nicht einmal in die Saiten gehauen, da kamen schon drei Leute an, die uns – bevor sie uns gehört hatten! irgendwelche anderen Konzerte andrehen wollten. Da waren wir dann auch ein bisschen verdutzt. Wir haben dann angefangen, noch mehr Songs zu schreiben und Demos aufzunehmen. Danach ging alles recht schnell: Mitte des Jahres haben wir nur mit einer MySpace-Seite erste Konzerte gebucht und ein Fotoshooting in einer Kita gemacht.

Christopher: Das ist echt schon fünf Jahre her.

IPD: Und dann habt ihr weiter gemacht.

Daniel: Und wollten unseren Sound verändern. Anfangs war das so Hellacopters-Rock’n’Roll-Krimskrams, aber es gab halt so viele Bands, die genauso klingen, also war es schwierig, da rauszustechen. Wir haben dann auch privat unseren musikalischen Horizont erweitert.

Christopher: Wir haben ganz viel Black Rebel Motorcycle Club und Picturebooks gehört.

Daniel: Mittlerweile sind wir wieder an dem Punkt, wo wir uns noch weiter entwickeln und ein bisschen an der Schraube drehen wollen.

Christopher: Wir haben zum Beispiel 2012 unsere erste Platte aufgenommen [‘Cold Kids Don’t Need Acid’], im Studio von The BossHoss. Das war eigentlich ‘ne ganz gute Zeit. Wenn du reinkommst, siehst du halt die goldenen Schallplatten überall und bist schon ein bisschen überwältigt. Und wir haben echt wenig bezahlt dafür, dass wir dort so professionell aufnehmen durften.

Daniel: Was uns im Wesentlichen von anderen Bands unterscheidet ist, dass wir nie so viel Geld ausgegeben haben wie alle anderen, nie Kredite aufgenommen. Wir haben immer gesagt: ‘Wir brauchen halt Zeit.’ Um eine gute Platte aufzunehmen, braucht man schon Geld, aber man braucht vor allem gute Songs. Wir arbeiten alle noch nebenbei und stecken schon so echt viel Geld in die Band, da müssen wir nicht auch noch einem relativ Fremden Geld in den Hals stecken. Letztendlich trauen wir eigentlich überhaupt keinem.

IPD: Habt ihr mal über Crowdfunding nachgedacht?

Christopher: Bevor wir die Platte rausgebracht haben, gab es  zwei Angebote von Indie-Labels, aber wir dachten, wir können das alleine genauso schaffen. Wir haben in drei Jahren 150 Konzerte gespielt, in Österreich, Tschechien und Deutschland. Wir haben selber Konzerte gebucht, selber die Platte pressen lassen, und die Releaseparty organisiert in einem Club, wo 180 Leute reinpassen. Im Endeffekt haben da über 200 Leute Eintritt für bezahlt. Wir haben selber Plakate geklebt, auf der ganzen Warschauer Straße, und es hat sich ausgezahlt! Wir brauchen keine Agentur, kein Label, jedenfalls nicht jetzt. Irgendwann kommt aber der Punkt, dass du den nächsten Schritt gehen willst, z. B. vier Wochen am Stück auf Tour sein und irgendwann Zeit für ein Album haben. 2011, 2012 und 2013 haben wir jedes Wochenende gespielt, einfach um präsent zu sein.

IPD: Wie weit seid ihr mit eurer zweiten Platte jetzt?

Daniel: Wir sind, wie gesagt, dabei, uns musikalisch ein bisschen zu verändern. Letztendlich muss man abwägen, was wir für Möglichkeiten haben für die Platte. Ich glaube nicht, dass wir diesmal total viel Geld dafür ausgeben werden. Alle Leute in Agenturen machen nichts anderes als wir: telefonieren, E-Mails rausschicken… dafür braucht man sich nicht in Agenturen einkaufen. Uns geht’s jetzt erst mal darum, Demos zu veröffentlichen, die uns musikalisch wirklich weiterbringen.

Christopher: Wir haben ja schon bei der ersten Platte gesagt, dass uns eigentlich jemand fehlt, der daneben sitzt und sagt, wo wir noch was verändern können. Wir haben aber schon Demos aufgenommen und Ideen gesammelt. Da geht was.

Daniel: Es wird von uns ja auch nicht erwartet, jedes Jahr ein Album rauszubringen. Wir sind jetzt auch keine Band, die, wenn einer grad mal keinen Bock hat, sich sofort auflöst.

IPD: Gibt es andere Bands aus Berlin, die ihr im Moment gut findet?

Daniel: I Like Ambulance.

Christopher: Stop Eating Robots! Ich persönlich mag sehr Coogans Bluff. Es gibt aber keine Berliner Band, die so gut zu uns passt, dass ich mir vorstellen kann, mit denen auf Tour zu gehen.

IPD: Mit welchen Bands würdet ihr denn gerne mal touren?

Daniel: Ich glaube, das wäre jede Band. Einfach jede.

Christopher: Du willst doch nicht sagen, dass du mit jeder Band touren würdest. Mit Scooter zum Beispiel würde ich nicht touren.

Daniel: Na klar würdest du.

Christopher: Vielleicht würde ich’s wirklich machen!

(alle lachen)

Daniel: Aber nur fürs Geld dann.

IPD: Angenommen du kriegst kein Geld und dürfest dir eine Band aussuchen?

Daniel: Wenn ich jetzt zum Beispiel mit Black Rebel Motorcycle Club touren könnte, wüsste ich, dass ich jeden Abend eine geile Show sehen würde. Ob die Typen nett sind oder nicht, kann keiner wissen, aber ich würde sie trotzdem mega gut finden für eine Tour.

Eric: Bei Black Rebel wäre ich auch dabei, die Tour spiele ich mit. Ich wäre aber zum Beispiel auch bei den Arctic Monkeys dabei.

Christopher: Ich würde gerne mit Cloud Nothings touren… Blood Red Shoes… Brody Dalle… Ich möchte mit Brody Dalle touren. Ich lege mich fest.

Daniel: Ich würde auch mit Helene Fischer touren, wenn sie die O2 World voll macht. Vor 17.000 Leuten? Natürlich. Weil du Musiker bist und in deinem Leben nie die Chance hättest, sonst so viele Leute zu erreichen.

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Heute Abend spielen die Jungs nicht vor 17.000 Leuten. Eher vor 17. Als die ersten beiden Bands durch sind, ist die Mehrheit der Gäste schon weg, aber das hindert Cold Acid nicht daran, trotzdem eine großartige Rockshow abzuliefern. Inklusive Drummerwechsel und Medley aus den besten Indie-Hits der Nullerjahre. Und wer vom Publikum übrig geblieben ist, bereut es ganz bestimmt nicht, noch länger geblieben zu sein.

(all photos © S. Prahl)